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Rezension: Deerhoof – Deerhoof Vs. Evil

Rezension: Deerhoof - Deerhoof Vs. Evil

Auch wenn der postmoderne Retro-Remix-Referenz-Dschungel nicht immer leicht zu überblicken ist und dem Kulturpessimistischen alles nur die xte Kopie von etwas anderem scheint, es gibt sie noch, die idiosynkratischen Bands wie Deerhoof, deren Songs man spätestens beim ersten scharfen Schwenk eindeutig zuordnen kann. Beeinflusst wurden von ihnen in den letzten anderthalb Jahrzehnten viele, so recht kopiert hat sie jedoch niemand, nicht einmal sie selbst. Denn obwohl die Rock-Umdichtung des Quartetts eine eindeutige Handschrift trägt, kämpft es gleichzeitig mit aller Macht dagegen an, sich zu wiederholen und zweimal das gleiche Album zu machen. Deerhoof arbeiten sich in dieser Hinsicht vor allem an sich selbst ab – das mag etwas abschreckend für Neuankömmlinge erscheinen, gestaltet sich aber vielmehr umgekehrt so, dass selbst für Langzeithörende ein neues Album frisch wirken kann.

Ein Mastermind, eine für das Gesamtgefüge verantwortliche Person, gibt es bei Deerhoof nicht, alle vier Mitglieder – darunter zum zweiten Mal Ed Rodriguez an der Gitarre – schreiben Songs. Vielleicht sind diese deswegen oft wie eine Ausartung des Bandduells von Run DMC und Aerosmith im „Walk This Way“-Video: Ein filigranes Gitarrenmuster legt ein paar Wiederholungen vor, Kameraschwenk auf die andere Seite wo Satomi Matzusaki die Melodieführung an sich reißt und ein paar simpel-süße Verse intoniert, woraufhin das wuchtige Hauptriff durch die Zwischenwand schneidet. Dazwischen kann ein Bruch in Rhythmus, Taktmaß, Instrumentierung, Stil, Klangfärbung, praktisch auf jeder musikalischen Ebene erfolgen, Deerhoofs Songs sind wankelmütige Pulverfässe die in jedem Moment explodieren können – aber auch immer öfter einen sanften Spaziergang einlegen. Besonders die ausführlichen Kracheskapaden der Vergangenheit haben abgenommen, auch strukturell recht unkomplexe Rocker à la „Milk Man“ finden sich bis auf das Cover-Instrumental „Let’s Dance The Jet“ keine.

Stattdessen ist die Single des Albums das geradlinige „Super Duper Rescue Heads!“, das Drummer Greg Saunier auf einem Nintendo DS komponierte, ein bunter, synthbeleuchteter Popsong der erst am Ende auf Harmonie pfeift und kakophonisch klappert. Schließlich werden Deerhoof dieses Jahr teenagerige 16 Jahre alt, und so distanziert sich „Deerhoof Vs. Evil“ voller farbenfroher Elektronik und rebellischem Sträuben vom entspannt-trockenen Vorgänger „Offend Maggie“, es ist ein aufgeregtes, spielerisches Treiben das nie der muckerhaften Instrumentalkompetenzvorführung verdächtigt werden kann. Vielleicht wegen der ungewöhnlich langen Entstehungszeit – zwei Jahre lagen noch nie zwischen zwei Deerhoof-Veröffentlichungen –, sicher auch weil das Album erstmals frei von Studiozeitzwängen in Proberaum und am heimischen Computer eigenproduziert wurde, zeigt sich die Band sonisch explorationsfreudig: „Hey I Can“ wechselt tropische Percussions mit himmelstrebender Gitarre und funkelnden Synths die in „No One Asked To Dance“ flottes Flamenco-Akustikspiel umschwirren, „Secret Mobilization“ fährt Vocoder-Vocals auf und das staksige „The Merry Barracks“ glitcht zu Kuhglocken-Schellen.

Zwar sorgt die nimmermüde Wechselfreudigkeit von Song zu Song nicht immer für einen guten Albumfluss, dafür ist z.B. das kontemplative „I Did Crimes For You“ an vorletzter Stelle ebenso wohlplatziert wie „Behold A Marvel In The Darkness“, das als Track 2 „Deerhoof Vs. Evil“ mit einer sonnigen Küstenfahrt aufspannt die von einer Explosion aus Gitarrenjauchzen, Bass und überhaupt wuchtig ausgeprägtem Schlagzeug nur momentan vom Kurs abgebracht wird. Dazwischen steht ein Deerhoofsches Auf und Ab und Hin und Her, dessen Wie und Warum nicht immer klar ist, das aber eben auch daraus seinen aufregenden Reiz bezieht.

Wertung: 75

Label: Polyvinyl

Referenzen: Deerhoof, Cryptacize, Nervous Cop, Lets, OneOne

Links: Homepage | MySpace

VÖ: 28.01.2011


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