Es passiert immer und immer wieder: Ein Mitglied einer bekannten Band ist offenbar nicht ganz durch das gemeinsame Schaffen ausgelastet und veröffentlicht ein Soloalbum. Mal gelingt dieses Vorhaben, mal weniger, oftmals ist es einfach nur egal. Vor kurzem haben auch die Sänger zweier nach wie vor recht angesagter Britpop/-rock-Bands des letzten Jahrzehnts ihre ersten eigenen Gehversuche unternommen – und auch hier gilt: Mal klappt’s, mal nicht.

Carl Barât – Carl Barât

Es müssen vier wunderschöne Tage für die Fans der Libertines gewesen sein, als die Band in diesem Sommer nach mehr als sechs Jahren Pause wieder gemeinsam auf der Bühne stand. Und vermutlich merkten auch Pete Doherty und Carl Barât spätestens bei der gemeinsamen Benutzung eines Mikrofons, dass ohne den jeweils anderen doch irgendwie immer was gefehlt hat. Bevor es nun aber wohl in naher Zukunft die ganz große Wiedervereinigung inklusive neuer Aufnahmen und vieler weiterer Konzerte geben wird, geht das drolligste Britrock-Paar seit den Gallagher-Brüdern jedoch noch mal kurz getrennte Wege.

Denn nachdem Doherty sich im vergangenen Jahr auf „Grace/Wastelands“ austobte, legt Barât gut 20 Monate später mit seinem selbstbetitelten Solowerk nach. Doch im Gegensatz zu seinem eher auf ruhige Töne konzentrierten Kollegen fährt Barât das volle Programm auf: Bläser, Streicher, Schunkelpiano und und und. Die ganz große Geste soll es sein, die ganz große Geste ist es geworden.

Ob im orchestralen „So Long, My Lover“, dem märchenhaften „The Fall“ oder dem elegischen „Carve My Name“ – es scheint, als habe Barât jahrelang grandiose Songs gehamstert, um uns in diesem Winter damit durchzufüttern. Das hat natürlich alles nichts mit dem scheppernden Indierock der Libertines zu tun, aber einen besseren Soundtrack für die anstehende Jahreszeit soll erst mal jemand schreiben. Und wenn dann der Frühling beginnt, liefert die Single „Run With The Boys“ sogar noch den passenden Soundtrack zur Wiederergrünung der Welt, während Barât und Doherty Hand in Hand durch London spazieren. Das wird schön.

Label: Pias Recordings

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VÖ: 01.10.2010

Paul Smith – Margins

Auch Paul Smith, hauptberuflich Front-Derwisch von Maxïmo Park, sehnte sich nach Abwechslung. Nachdem es gerüchteweise bereits während der Arbeiten am dritten Album der Band, „Quicken The Heart“, zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Smith und seinen Mitstreitern kam, ist „Margins“ vermutlich also nur die logische Konsequenz dieser Querelen.

Leider aber gelingt es Smith nur so halbwegs, sich vom Sound seiner Band zu emanzipieren, dabei aber trotzdem zu überzeugen. Zwar fehlen auch hier – genau wie bei Barât – die treibenden Gitarren, aber man möchte doch meinen, dass das noch lange kein Grund ist, dann gleich ganz auf große Hymnen und Ohrwürmer zu verzichten. Bis auf ganz wenige halbe Ausnahmen passiert auf „Margins“ jedoch eben genau das: Auf der einen Seite rein, auf der anderen wieder raus.

Das ist insofern schade, als Smith sich zumindest lyrisch auf dem altbekannten Niveau bewegt. Woran es allerdings hapert ist die dazugehörige Musik: Da hilft es auch nicht, dass das gefällige „This Heat“ Lounge-Stimmung verbreitet und zumindest bei „Dare Not Dive“ ein paar verzerrte Sechssaiter zum Einsatz kommen, so dass diese beiden Stücke beim Durchhören zumindest auffallen. Zu oft scheint es so, als sei die Instrumentierung nur Mittel zum Zweck, damit die Texte nicht ganz allein im Raum stehen.

Es ist so gesehen bezeichnend, dass ein Titel wie „Strange Friction“, der wie eine B-Seite des auch schon nicht mehr ganz überzeugenden „Quicken The Heart“ klingt, zu den Highlights zählt. Einer der anderen arg uninspiriert wirkenden Songs auf „Margins“ trägt den Namen „Alone, I Would’ve Dropped“ und… ich denke, dass diese Pointe nun nicht mehr erklärt werden muss.

Label: Cooperative

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VÖ: 15.10.2010

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