Sowohl von Comet Gain als auch den Crystal Stilts hatte man seit ihren letzten Alben in den Jahren 2008 bzw. 2009 kaum Neuigkeiten, geschweige denn neue Musik vernommen, bis im August diesen Jahres plötzlich eine Single das gemeinsame Projekt mit dem Namen Cinema Red And Blue ankündigte. Und wie so oft, wenn sich recht erfolgreiche Musiker in neuen Konstellationen zusammenfinden, dauerte es auch in diesem Fall nicht lang bis in ihnen eine neue Supergroup gefunden wurde; die Erwartungen hoch und die Gefahr, dass diese nicht erfüllt werden ungleich größer. Dabei handelt es sich bei Cinema Red and Blue eigentlich nur um das vorübergehende Projekt zweier befreundeter Bands, die im August 2009 in New York innerhalb einer Woche ein paar eigene Songs und Cover aufgenommen hatten.

Umso schöner ist es, dass die ersten Stücke des Albums die hohen Erwartungen durchaus locker erfüllen können. Spätestens als Comet-Gain-Frontman David Christian das zweite Lied „Ballad Of A Vision Pure“ mit den Worten „Drugs are fucking / killin´ babies / have I got your attention now“ eröffnet, wird der Hörer vom Charme dieser Band erfasst. Während das Schlagzeug im Hintergrund gleichmäßig dahinscheppert und die Gitarren sich mitunter überschlagen, liefert Christian dann sogar eine erste, ihm anscheinend wichtige Referenz: “We’re trying hard to sound like the Swell Maps / what a terrible name for a pop group”. Dabei klingen Cinema Red And Blue durchaus vielfältiger als nur der billige Abklatsch einer britischen Avantgarderockband aus den 70ern. Während „Charlie Clarke“ mit seiner Kombination aus Drumcomputer, Gitarre, Keyboards und schläfrigem Gesang noch Beach House alle Ehre macht, erinnern andere Songs beispielsweise stark an die New Pornographers in ihren besten Zeiten. In diesen Stücken ergeben sich die schönsten Momente nahezu beiläufig, wenn zusätzlich zum Gesang Christians und den nicht selten effektiven Gitarrenmelodien auch die sanfte Stimme Anne Laure Guillains einsetzt, wie im großartigen „Melanie Down“, dem bedächtigen „Ballad Of A Bus Stop“ oder dem Vic-Godard-Cover „Same Mistakes“.

Leider gelingt es Cinema Red And Blue nicht, die Qualität über die gesamte Albumlänge derartig hoch halten. Stattdessen bewahrheitet sich mit zunehmender Spieldauer eine Befürchtung, welche man bereits während des vierten Songs leise hegt – das allzu simple „Ballad Of An All Night Worker“ wirkt, als hätte es bei einem Grinderman-Cover-Contest selbst dann keine Chance auf den Sieg, wenn die Konkurrenz noch besoffen im Bett läge. Und tatsächlich bleibt es nicht das einzige schwache Stück auf dem Album, was unter anderem daran zu liegen scheint, dass Cinema Red And Blue durch die omnipräsente Proberaumatmosphäre ständig auf dem schalen Grad zwischen Spontanität und Unvollkommenheit wandeln. Spätestens dann, wenn das Verhältnis von packenden und belanglosen Stücke gänzlich zu Ungunsten der Band kippt, wird klar, dass sich hinter Cinema Red And Blue zwar ein äußerst sympathisches Projekt verbirgt, aber dass es eine EP eben auch getan hätte.

71

Label: What’s Your Rupture

Referenzen: Crystal Stilts, Comet Gain, The Velvet Underground, The New Pornographers, The Aislers Set

Links: MySpace | Label

VÖ: 28.09.2010

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