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Robota MIT Fotos: Drei Bands In Evolution

Gleich drei junge Formationen aus Deutschland, die alle auch über Landesgrenzen hinaus schon auf sich aufmerksam machen konnten, haben dieser Tage neue Alben herausgebracht, anhand derer sich Entwicklungen zu kühler Dissonanz, technoiden Soundkonstrukten bzw. Shoegaze fressendem Pop feststellen lassen. AUFTOUREN evaluiert den Stand der Evolution von 1000 Robota, MIT und Fotos.

1000 Robota – UFO

Bei aller unterhaltsamen Pöbelei gegen heilige Kühe der deutschen Popkritik, als 1000 Robota vor zwei Jahren auf den Plan traten waren sie auch musikalisch einen Blick wert. Weil ihr nervöses Geschrammel in Arctic-Monkey-Tempo kein gefälliges Eindeutschen britischen Mittjahrzehnt-Indierocks sein wollte, sondern immer wieder postpunkige Kanten und Leerräume offenbarte. Und obwohl die Saiteninstrumente nun etwas dicker, stark nach Muff Potter ca. „Von Wegen“ klingen, hat das Trio auf seinem zweiten Album „UFO“ diese Linie weiter verfolgt. Die Songs sind kühler, die Dynamiken steifer geworden, „Glück“ oder „Geh Nicht Zuweit“ muten mit metallischer Dissonanz gar wie Post-Hardcore Marke Dischord an. Anderswo expandiert die Robota-Soundpalette, mit einem Syntharpeggio im leider etwas lose zusammenhängenden „Fahr Weg“ oder einem Trompeteneinwurf in „Nicht So Und Nicht So“.

Die Bedeutung von Anton Spielmanns abstrakten Parolen mag persönlicher geworden sein, in ihrer Fragmentiert- und Abstrahiertheit werden sie aber selten zu mehr als Freiwild für Interpretationslustige. Wogegen nicht mal etwas einzuwenden ist, doch wenn die Texte dann mal explizit werden, warten sie mit Banalitäten auf wie einem infantilen Thees-Ullmann-Diss (nein wie kontrovers!) oder dem gegen kellerhockende Myspace-Selbstdarsteller gerichteten „Held Und Macher“. Eine Myspace-Referenz, im Jahre 2010! Gerade von einer Band in diesem Alter hätte man doch erwarten können, ein wenig mehr am Puls der Zeit zu sein, anstatt ihre Weltsicht aus Spiegel-Online-Artikeln zu beziehen. Auch musikalisch wirken 1000 Robota noch nicht gereift, haben interessante Klangkonzepte, die sie noch nicht recht unter einem Dach zusammenkriegen, auch spieltechnisch ist angesichts ihrer Ambitionen noch Verbesserungspotential da (allein schon bei manch abgedroschenen Beatmustern). Als Highlight entpuppt sich dann auch „Er Sagt“ mit völligem Understatement: Sein Refrain ist ein wortloses, melancholisches Zweitonstöhnen.

Label: Buback | Homepage | VÖ: 03.09.2010

MIT – Nanonotes

Eine noch größere Entwicklung hat MIT hinter sich. Das Trio, das damals auf shoutigem Elektropunk-Terrain mit „Deine Eltern“ debütierte, ist auf dem zweiten Album „Nanonotes“ praktisch nicht mehr wiederzufinden. Das oszillierende Ungestüm ist einem kontrollierten Minimalismus gewichen, die überschwänglichen Vocals Edi Winarnis sind auf dem Boden der Bedachtsamkeit angekommen, überhaupt klingen MIT 2010 so aufgeräumt, dass man so schnell dahinter keine Bass-Schlagzeug-Synth-Band vermuten würde. Die elf Stücke verströmen elektronisch-futuristisches Flair, über technoid tragenden bis treibenden Beats erstrecken sich oft gleich mehrere Melodiemuster in synthetischer Helligkeit.

„Nanonotes“ kommt überaus bemessen, modern, wohldesignt, wohlreferenzierend, dezent rüber … mit einem Wort, es ist geschmackvoll. Ach, es ist zu geschmackvoll. Dafür hinterlassen die oft schon naiv-simplen Tonfolgen für sich genommen, aber auch mit anderen zu komplexeren Melodietexturen zusammenlaufend, zu selten bleibenden Eindruck, die Bassläufe sind ähnlich zurückhaltend und grooven nur mäßig. Gewiss gibt es Ausnahmen und bietet das Album Abwechslung, vor allem das grenzambiente „Monomeer“ ist mit metallischem Hämmern über einer wabernden Tonmasse ein herrlich evokatives Soundkonstrukt. Aber selten weiß sich ein Stück mit derart gelungenem Wagnis vom Rest abzuheben, wollen die einzelnen Elemente so kontrastreich koagulieren. So wirken letztlich zuviele Tracks wie der gut gemachte Übergang zu einem denkwürdigen Nachfolgestück, das nie kommt.

Label: Cooperative | Homepage | VÖ: 10.09.2010

Fotos – Porzellan

Anfangs wirkt es schon wie arges Trendgängertum, wie sich Fotos da auf ihrem dritten Album inszenieren. Mit dem Quartett verband man bisher doch eher belebt-poppigen Indierock nach englischen Erfolgsrezepten, und jetzt wollen die urplötzlich einen auf dick texturierte Gitarrenwände, ausgefranste Verzerrung und saftig hallendes Schlagzeug mit Spector-Schellen machen? Eine Ästhetik, der weiß Gott nicht wenige Bands frönen, für die jene sich in der Regel aber auch schon sehr früh entscheiden. Und eine Ästhetik, die über die letzten Jahre, auch wenn “Revival” etwas übertrieben wäre (wer außer The Big Pink hat es von den Nu-Gazern schon in die Charts geschafft?) zumindest wieder populärer geworden ist. Was nicht heißt dass Fotos keine gute Wahl getroffen hätten, in der Tat erweist sich die Melancholie von C86-Sounds als ein bemerkenswert guter Begleiter für ihre bedächtige Poesie.

Wie erwartet schwelgen „Alles Schreit“ und das Titelstück von „Porzellan“ denn auch gleich zu Beginn des Albums im Rauschen, geisterhaft gedehnt seufzen Stimmen und Saiten im Hintergrund. Doch im Folgenden relativiert sich das Bild zunehmend. Zwar springt einem in „Raben“ und „Angst“ nochmal volle Jesus & Mary-Chain-Verehrung à la Raveonettes oder A Place To Bury Strangers entgegen, aber die meisten Songs bauen eher eine shoegazige Atmosphäre auf als dass sie voll in dieser Klangästhetik aufgingen, eignen sich zu diesem Zweck hier einen Kreischbass, da eine verzerrte Stimme (oder gern auch mal weibliche Backing Vocals) an. In jedem Fall schaffen Fotos auf “Porzellan” eine knappe Handvoll netter Popnummern, aber eben auch ein paar mäßig gute, besonders die übermäßig repetitiven Refrains von „Mauer“ und „Feuer“ verpuffen effektlos. Es bleibt eben nicht die Verpackung die zählt, sondern das gute alte Songwriting.

Label: Snowhite| Homepage | VÖ: 10.09.2010


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5 Kommentare zu “Robota MIT Fotos: Drei Bands In Evolution”

  1. Markus sagt:

    …bei jedem Album 10% druff und ich würde das hier alles unterschreiben. Insgesamt darf man aber wohl konstatieren: Diese drei Alben sind wohl die klangtechnisch eigenständigsten in der deutschen Szene. Und immer noch (leider) der internationalen Konkurrenz unterlegen. Dennoch: Diese Werke darf man ruhigen Gewissens empfehlen, unterstützen und kaufen. Sag ich mal so.

  2. Markus sagt:

    edit_ diese drei sind wohl 2010 die klangtechnisch eigenständigsten

  3. Pascal Weiß sagt:

    Gefällt mir gut, die Rezension, Uli.

    Eine Myspace-Referenz, im Jahre 2010! Gerade von einer Band in diesem Alter hätte man doch erwarten können, ein wenig mehr am Puls der Zeit zu sein, anstatt ihre Weltsicht aus Spiegel-Online-Artikeln zu beziehen.

    Großartig.

  4. Elitess sagt:

    @Markus: “Und immer noch (leider) der internationalen Konkurrenz unterlegen.”

    –> Meiner Meinung nach aus gutem Grund…Ich hatte in den letzten Wochen die Möglichkeit in alle 3 Alben reinzuhören..Fazit: “Gut ist eben nicht gut genug…”

  5. Bastian sagt:

    Naja, als die Speerspitze von Musik aus Deutschland würde ich die drei allerdings auch nicht hinstellen, nichtmal 2010. Das täte den Alben von u.a. Pantha du Prince, Hans Unstern, Stella, Von Spar, Hundreds, efdemin, usw. ziemlich Unrecht. Also kein Grund, die “deutsche Szene” falls es denn soetwas gibt, hier so stiefmütterlich zu behandeln.

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