Die einen oder anderen unter euch kennen es vielleicht: In diesen Tagen, wo unzählig viele neue Platten an einen herangetragen werden und die Veröffentlichungen sich extrem ballen, da drängt einen die unbändige Gier dazu, zuerst die vermeintlich spektakulären Werke zu hören. Die, die Ungewöhnliches oder gar Absurdes versprechen und schon beim ersten Durchgang deutliche Reizpunkte setzen – man ist schließlich auf der Suche nach dem schnellen Erlebnis. Nach Entertainment. Da haben es solche Routiniers wie Isobel Campbell oder Mark Lanegan mit einem von Grund auf traditionellen Album naturgemäß schwer. Wie schade.

Denn das inzwischen dritte gemeinsame Werk dieses ungleichen Duos (beim van-Zandt-Cover „No Place To Fall“ und „Cool Water“ übrigens von Willy Mason am Mikro maßgeblich unterstützt), das die hauchzarte Stimme der früheren Sängerin von Belle And Sebastian und das tiefe, dunkle Organ des Ex-Screaming-Trees-Frontmanns wieder einmal auf wundersame Weise zusammenfügt, kommt erst nach einer Weile aus der Deckung und hat sich verdammt gut getarnt. Aufhorchen lassen beim ersten Durchgang lediglich das Titelstück „Hawk“, das in seiner verspulten Beklopptheit an Großtaten von Tom Waits erinnert und das irgendwo zwischen Bob Dylan und Johnny Cash anzutreffende Saloon-Stück „Get Behind Me“. Der Rest: Bewegt sich wie das lässige „Lately“ oder dem zart im Wind flackernden “Herz”-Stück „Cool Water“ meist zwischen klassischen Country-, Americana- und Singer/Songwriter-Nummern.

Was einem aber anfangs ganz und gar entgeht: Das düstere „Hawk“ steckt voller liebevoller Details (hach, allein diese herrliche, anfangs unscheinbare Soulnummer „Come Undone“) und ist trotz seiner Diversität extrem schlüssig. Hier prallt die Intimität eines „Time Of The Season“ oder „We Die And See Beauty Reign“ auf einladende, aber niemals überzogen unnatürliche Gesten in „Eyes Of Green“ oder „Snake Song“, alles umhüllt von einem leichten mystischen Schleier und ausgewachsenen Lyrics: „You could wish your whole life through/ Be a sleepy John/ Choose your favourite poison on the way to get gone/ If that’s what you’re thinking then I got to move on“ –  ja, „Hawk“ ist ein Album von majestätischer Schönheit, ein reifes Werk mit dreizehn tollen Einzelsongs, im Geheimnisvollen vereint.

80

Label: V2 / Cooperative (Universal)

Referenzen: Nick Cave & The Bad Seeds, Lee Hazlewood & Nancy Sinatra, Leonard Cohen, Tom Waits, Cat Power, Bob Dylan, Johnny Cash, Nina Nastasia, Bonnie “Prince” Billy, The Gutter Twins, Tindersticks

Links: MySpace | V2

VÖ: 20.08.2010

2 Kommentare zu “Rezension: Isobel Campbell & Mark Lanegan – Hawk”

  1. [...] der Fairport Convention und „Howl“ gruselt so heimtückisch vor sich hin, dass es auch auf dem just erschienenen „Hawk“ von Isobell Campbell und Mark Lanegan keine schlechte Figur gemacht [...]

  2. [...] ist „Blues Funeral“ dann doch eine ganze Spur andächtiger geworden. Von den drei Alben mit Isobel Campbell hebt es sich sogar ganz gewaltig ab, von den Arbeiten mit den Screaming Trees oder Gutter Twins [...]

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