Plattenkritiken


Rezension: Les Savy Fav – Root For Ruin

Rezension: Les Savy Fav - Root For Ruin

Es geht wieder etwas ruppiger zu auf dem fünften Studioalbum der New Yorker Indie-Rocker Les Savy Fav. Dazu scheint der Albenturnus von Les Savy Fav endlich in für treue Anhänger weniger quälenden Intervallen angekommen zu sein. „Let’s Stay Friends“ von 2007 folgte ganz seinem Namen und holte mit Melodie, Charme und Ironie alle mit ins Boot, die hilflos im Wasser paddelten. Nur zu gerne ließ man sich da retten oder sprang gar ins kühle Nass und mimte den Schiffbrüchigen, nur um irgendwie an Bord zu kommen. Diese alten Bande scheinen temporär aufgelöst, allerdings mit dem definitiven Angebot, wieder erneuert werden zu können.

Doch mögen die Piratenmetaphern hier mal in der Schublade bleiben und Les Savy Fav draußen. Trotz Freibeuter Tim Harrington als Sänger. Und um des Ernstes Willen, mit dem sich das neue Werk dem Post-Hardcore verschrieben hat. Die wilden Genrepartys gibt es noch immer, allerdings mit weniger Teilnehmern, weniger Wein und Wehmut, dafür mit neuen Hymnen, die auch diesmal kreuz und quer und durcheinander gesungen werden dürfen.

„Root For Ruin“ besitzt einen deutlich unbequemeren, harscheren und dadurch exklusiveren Charakter. Somit ist die Begrüßung mit „Appetites“, sicher ebenfalls nicht zufällig mit diesem Namen bedacht, zwar herzlich, aber ebenso hart. Die bekannten und mittlerweile typischen hohen Gitarrenläufe zu rauen Bässen überraschen wenig, liefern aber leider wenige Melodien, die davon ablenken könnten, dass dieser Song auch nach vielen Durchläufen noch an bessere Billy Talent erinnert. Der Vergleich lässt sich glücklicherweise auf keinen der übrigen zehn Songs übertragen, auch wenn diese zu einem gewissen Anteil das gleiche Manko aufweisen wie der Opener. „Poltergeist“ weiß nicht so recht, wo denn der Geist sich nun versteckt und „Excess Energies“ ist laut und zweifelsohne voller gutgemeinter Energie, es fehlt ihm aber die Tiefe um wirklich mitzureißen.

Die Erinnerungen an den besseren Vorgänger schmerzen in diesen Momenten des relativen Mittelmaßes schon mal. Doch definitive Retter wie die tolle Nachtfahrt „Sleepless In Silverlake“ oder die freundlichen „High And Unhinged“ und „Dear Crutches“ bewegen auch die Krawallmacher des Albums in einen verständlicheren Kontext, ohne dabei eine gewisse innere Ambivalenz verwischen zu können. Diese Ambivalenz jedoch ist es, die diese Band über Jahre ausmachte – und nicht zuletzt in solchen Ausnahmesongs wie dem annähernd perfekten „Let’s Get Out Of Here“ mündet, die beide Extrema zu verbinden wissen und für dreieinhalb Minuten alles andere zu Redundanz degradieren vermögen. Die ruhelose Stimme Harringtons, die knackige Rhythmik, die unumwundenen Texte, die Gestalten mit denen sie sich in gegrölten Refrains umgeben, all das bringt dieser größte Hit auf einmal wieder. Das Album spricht aus ihm: „I just want you to want me right now“. Da uns mit dem Ausblenden des einen Sinns ein anderer verstärkt erscheint, ist blinder Gehorsam hier nur wärmstens zu empfehlen.

Wertung: 78

Label: Frenchkiss

Referenzen: McLusky, Gang Of Four, The Thermals, Future Of The Left, Cursive, Pixies, The Hold Steady

Links: Homepage, Frenchkiss

VÖ: 17.09.2010

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3 Kommentare zu “Rezension: Les Savy Fav – Root For Ruin”

  1. Pascal Weiß sagt:

    Für mich persönlich im 80er-Bereich.

    Ich sehe es genau umgekehrt, Sven;) Toll, dass sie sich wieder ein wenig an ihren älteren, rauhen Werken orientieren und sich von den für ihre Verhältnisse arg eingängigen Songs des direkten Vorgängers vorerst verabschiedet haben.

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