Plattenkritiken


Rezension: Eels – Tomorrow Morning

Rezension: Eels - Tomorrow MorningEine „Erlösung“ soll es sein, das dritte Eels-Album innerhalb von 15 Monaten. Nach „Hombre Lobo“ („Verlangen“) und „End Times“ („Verlust“) beendet „Tomorrow Morning“ die Konzept-Trilogie mit überraschend positiven Klängen. Und prinzipiell freut es den Zuhörer natürlich, dass Band-Chef Mark Oliver Everett seinen Kopf nach Jahren voller Tod und gebrochenen Herzen endlich Richtung Sonne streckt – nur: könnte das dann nicht noch etwas spannender klingen?

Dabei fängt es aber eigentlich ganz vielversprechend an. Nach dem instrumentalen Intro gibt „I’m A Hummingbird“ gleich die Marschroute für die folgenden gut 45 Minuten aus: Weniger Gitarre, dafür mehr Streichereinsatz oder, in späteren Stücken, Drumcomputer, Geplucker und Gefiepe. Im treibenden „Baby Loves Me“ klingt es dementsprechend gar so, als würde sich R2-D2 persönlich für die Effekt-Programmierung verantwortlich zeigen. Gleichfalls überzeugend fällt auch die Single „Spectacular Girl“ aus, die mal eben eine Zeitreise ins Jahr 1996 absolviert und es sich dort zwischen Stücken wie „Novacaine For The Soul“ oder „My Beloved Monster“ gemütlich macht. Darauf folgt mit „What I Have To Offer“ vielleicht einer der schönsten Lovesongs, die E jemals geschrieben hat: „It takes an awful lot to win my heart / but you know that I’m so full of love… for you“ schmachtet er da unter der Zuhilfenahme seiner Kopfstimme und spätestens jetzt scheint es offensichtlich, dass Everetts Glück kein konstruiertes ist, sondern er diese ganzen zuckersüßen Melodien und Texte offenbar locker aus dem Ärmel schüttelte.

Leider können er und seine Mitstreiter dieses hohe Niveau aber vor allem auf der zweiten Albumhälfte nicht durchgängig halten. „This Is Where It Gets Good“ beeindruckt zwar mit seinem krummen Beat, ist mit mehr als sechs Minuten Spieldauer und einem übertrieben langem Outro aber schlicht nicht spannend genug. Ähnlich verhält es sich mit „The Man“, das zwar alte Eels-Stärken wie den Einsatz eines Glockenspiels bietet, aber ansonsten nicht weiter hervorragt. Sehr schön gelungen ist hingegen wieder das wohlige „Oh So Lovely“, das neben einer Märchenwald-Stimmung auch die zentrale Zeile des gesamten Albums enthält: „How can I tell you how grateful I am?“, was im Kontext der Platte natürlich eine rein rhetorische Frage ist. Ein weiterer heißer Anwärter auf die Top3 von „Tomorrow Morning“ ist zudem „Looking Up“, das in bester Rock’n'Roll-Manier Handclaps, einen groovenden Kontrabass-und einen Soul-Chor miteinander vereint.

Dennoch, ganz überzeugen kann das insgesamt neunte Eels-Studioalbum am Ende nicht. Womöglich wäre Everett sogar besser damit gefahren, aus den stärksten Stücken der drei letzten Werke ein großes Album zu schaffen, das wir dann vermutlich in eine Reihe mit „Beautfiul Freak“ und „Electro-Shock Blues“ stellen würden. So aber können wir für den Moment lediglich festhalten, dass „Tomorrow Morning“ zwar nicht unbedingt enttäuscht, aber eben durchaus noch Luft nach oben hat. Die Hoffnung auf zukünftige Großtaten bleibt jedoch bestehen, nicht zuletzt, weil auch E endlich im Reinen mit sich und der Welt ist. „I don’t care about the past / none of it was made to last / it’s not who you’ve known, but who you’re knowing / I like the way this is going“ – möge er immer weitergehen.

Wertung: 65

Label: Cooperative (Universal)

Referenzen: E, Beck, Sparklehorse, dEUS, Gomez, Badly Drawn Boy, Ween, Elliott Smith

Links: Official | MySpace

VÖ: 20.08.2010


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