Interview: Kante auf dem Orange Blossom Special

Der letzte Teil unserer kleinen Interviewreihe vom Orange Blossom hält noch mal ein ganz besonderes Highlight bereit. Als Headliner am Samstagabend betraten nämlich Kante für einen ihrer in letzter Zeit eher rar gewordenen Auftritte die Bühne und überzeugten mit einem ziemlich kraftvollen und rockigen Best-Of-Set.

Dabei stachen neben all den wohlbekannten Hits, wie dem zu dieser Gelegenheit wieder einmal wunderbar passenden „Warmer Abend“, auch einige Kostproben aus ihrem derzeitigen Theater-Arrangement besonders hervor. Über eben jenes, darüber wie es ist, als Musiker mit Familie über die Runden zu kommen und über das sehnlichst erwartete, aber leider noch in den Sternen stehende neue Kante-Album sprachen wir kurz zuvor mit Schlagzeuger Sebastian Vogel im OBS-Interview-Bauwagen.

Euer Auftritt nachher ist ja eines eurer momentan eher seltenen Konzerte im klassischen Sinne. Ihr habt in letzter viel Zeit am Theater gearbeitet, wie ist das dann, jetzt wieder zusammen mit allen auf der Bühne zu stehen?

Es hat immer etwas sehr befreiendes, wieder zusammen auf der Konzertbühne zu stehen. Dann merkt man eigentlich wieder, wer man eigentlich ist und warum man das Ganze überhaupt macht. Die Arbeit am Theater ist natürlich auch super interessant und spannend und macht unglaublich Spaß, aber man ist dort in einem ganz anderen Zusammenhang. Man arbeitet nicht als Band zusammen, sondern mit unglaublich vielen Leuten. Deshalb freuen wir uns immer sehr darauf, wie heute, wieder alleine auf der Bühne zu stehen und die eigenen Lieder zu spielen, auch wenn die vielleicht schon ein bisschen zurück liegen.

Um noch mal auf die Theaterarbeit zurückzukommen: Wie seid ihr dazu überhaupt gekommen oder was war der Anstoß dazu?

Wir sind gefragt worden von Friederike Heller, die zu der Zeit in Wien an einer Handke-Trilogie arbeitete. Sie hat während der Arbeit an den ersten beiden Stücken eines unserer Alben sehr oft gehört und hat unsere Musik offenbar sehr gemocht. Deshalb hat sie uns dann irgendwann gefragt, ob wir nicht mal mit ihr zusammenarbeiten wollen und das hat dann so gut funktioniert, dass zumindest Peter das mittlerweile fünfte Stück mit ihr zusammen macht. Aktuell läuft in Berlin „Der gute Mensch von Sezuan“ von Brecht, wo Peter, Thomas und ich die Musik von Paul Dessau bearbeitet haben und live spielen. Das ganze ist aber auch eine zweischneidige Angelegenheit. Es ist einerseits toll, weil es eine konkrete Auftragsarbeit ist, bei der man das Honorar vorher verhandeln kann und weiß was man für seine Arbeit bekommt. Das wüssten wir bei der Arbeit an einem neuen Album beispielsweise nicht. Es war natürlich toll, diese Erfahrung gemacht zu haben, aber mittlerweile sind wir an einem Punkt angelangt, wo wir denken, dass wir uns eigentlich auch mal wieder um unsere Band und ein neues Album kümmern müssten. Das wird aber mit der Zeit nicht einfacher. Wir sind fünf Musiker und haben inzwischen zusammen acht Kinder, da kann man nicht mal eben zwei Monate lang für nichts an einem Album arbeiten und darauf hoffen durch Konzerte in einem halben Jahr mal irgendwann Geld zu verdienen. Und deswegen sind wir momentan eben verstärkt im Theaterbetrieb unterwegs.

Aber hattet ihr, als das mit den Theaterarbeiten losging nicht auch genug vom Dasein als „normale Band“ und wolltet unbedingt mal etwas neues ausprobieren?

Auch, klar. Man will natürlich solche Türen, die sich einem da auftun auf keinen Fall wieder zuschlagen. Man entwickelt sich ja auch daran weiter. Also zum einem ist es natürlich die Neugierde, zum anderen sind es die finanziellen Zwänge, aber inzwischen sind wir soweit, dass wir schon lange gerne ein neues Album gemacht hätten. Wir haben eigentlich auch jede Menge musikalische Ideen gesammelt, so dass wir ziemlich schnell ziemlich tolle Stücke zusammen bekämen, aber es gibt noch keine Texte und kein inhaltliches Konzept. Dafür müsste sich Peter dann mal zwei oder drei Monate Auszeit nehmen, was eben nicht leichter wird.

Ihr habt also noch keine konkreten Pläne wie euer nächstes Album klingen wird?

Man kann wirklich noch gar nichts sagen. Wir wohnen ja mittlerweile über Berlin und Hamburg verteilt und jeder spinnt so ein bisschen für sich herum, so dass sich schon einige Ideen angesammelt haben. Man könnte einfach mal anfangen, Sachen aufzunehmen und sich diese dann so projektmäßig hin und her zuschicken. Vielleicht finden wir aber auch mal wieder drei, vier Wochen Zeit und arbeiten dann an den Stücken und nehmen sie auf. Das ist alles noch völlig unklar, es kann sehr schnell gehen, sich aber auch über lange Zeit hinausziehen, falls wir so kleinteilig und verteilt arbeiten.

Eure bisherigen Alben sind aber schon eher klassisch als Band im Studio entstanden?

Also die Entstehungsgeschichten unserer bisherigen fünf Alben sind total unterschiedlich, aber wir haben immer im Studio aufgenommen und wir haben vorher immer intensiv zusammen daran geprobt. Die letzte eigentlich auch nicht so richtig offiziell als Album veröffentlichte und leider etwas untergegangene „Kante plays Rhythmus Berlin“ haben wir innerhalb von zehn Tagen eingespielt ohne vorher irgendwie geprobt zu haben, was für uns völlig untypisch ist. Es ging nicht um viel. Es gab da eigentlich nur diese Texte, die Peter für eine Revue geschrieben hatte und wir haben es irgendwie geschafft, uns daran musikalisch zu probieren und es gleichzeitig aufzunehmen. Die anderen Platten waren natürlich viel aufwändiger. An „Zombi“ haben wir gefrickelt, bis wir uns irgendwann nicht mehr sehen konnten, wohingegen „Die Tiere sind unruhig“ zwar eine sehr lange und teure Produktion war, aber gleichzeitig sehr kompakt, so dass wir als Band wieder richtig gut zusammen waren.

Ist es dann vielleicht auch so, dass ihr nach euren doch sehr anderen Arbeiten für das Theater auch wieder Lust auf  so eine kompakte, rockige Produktion habt, also eher wieder ein klassisches Bandalbum?

Ich kann mir schon eher vorstellen, dass das neue Album doch viel von dem aufnehmen wird, was wir am Theater gemacht haben. Die Musik von Paul Dessau zum Beispiel ist ja stark Zwölfton-beeinflusst, hat also ziemlich unklare Tonarten und Brüche in den Takten und Harmonien und insgesamt diesen Avantgarde-Aspekt. Gleichzeitig ist die Instrumentierung sehr klassisch, aber irgendwie auch ganz anders zusammengesetzt. Ich denke, dass wir daraus auch einiges für unser Album herausnehmen werden und uns weiter von eher kompakten Pop-Arrangements entfernen werden. Aber ich kann wirklich noch gar nichts sagen, das ist nur eine von vielen Ideen, die man so haben könnte, wenn wir überhaupt erstmal anfangen würden uns als Band zusammenzusetzen.

Das Interview entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Anke van de Weyer von kölncampus und ist im September (genauer Zeitpunkt noch nicht bekannt) in Auszügen dort nachzuhören.

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