Oriols elektronischer Sommernachtstraum

Der erste Eindruck ist leicht trügerisch. Alles klingt etwas nostalgisierend und die Klangfarbe durchaus hinlänglich bekannt. Der funkige Subtext und die warmen Beats, die Gradlinigkeit in den Arrangements. Vielleicht stören sogar der synthetische Keyboardteppich oder die Bar Chimes ein wenig, die bei „Fantasy For N“ wenn schon keinen esoterischen Touch, dann auf jeden Fall Erinnerungen an die „Sexy Elevator-Musik“ der 80er Jahre hinterlassen.

Der zweite Eindruck hingegen ist ein gänzlich anderer. Da erkennt man die Brillanz von „Night & Day“, dem Debütalbum des in Spanien geborenen Engländers Oriol, der es schafft, die unterschiedlichsten Einflüsse auf eine derart subtile und clevere Art zu verbinden, dass man durchaus fragen darf, warum dieses Werk bislang nicht auf einer deutschen Internetseite rezensiert wurde. Dabei sind es nicht die Einzelsongs, die herausstechen, sondern die Homogenität des Albums, die begeistert. Sonnengeflutete Rhodes und Reminiszenzen an die urbanen Alben der 70er Jahre bilden die Basis und lassen „Night & Day“ ein wunderbares, fast analoges Flair atmen.  Diese elektronische Musik besitzt Energie und vor allem Seele, auch wenn dann doch fast alles digital entstanden ist – und seinen Ursprung nicht verleugnet.

Gerade das Wissen um Dubstep, Breakbeat und Techno ist auch das zweite große Pfund, das neben dem ganzen Oldskool-Kram von Fusion, Tropicana/Balearic und Café Del Mar immer wieder durchschimmert.  Selbst die Kollegen von FACT sind euphorisiert. Diese Veröffentlichung fällt mit ihrem hemmungslosen Retro-Feel übrigens auch klar aus dem Rahmen der üblichen Platten des Labels Planet Mu, die aber die Qualität erkannt haben. Hierzu lässt sich wunderbar mit dem Cabrio auf den glutroten, untergehenden Sonnenball zusteuern. Oriols Platte ist ein musikalischer Sommertraum.

"Night & Day" ist bereits via Planet Mu erschienen.

Links: Oriol bei Planet Mu | Albumstream

Ein Kommentar zu “Oriols elektronischer Sommernachtstraum”

  1. Planet Mu scheint überhaupt momentan auf nem retrogetünchten Sanftheitstrip zu sein, siehe auch Tropics und teilweise Solar Bears.

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