Plattenkritiken


Rezension: The Books – The Way Out

Rezension: The Books - The Way Out

Nach ihrem letzten Werk war es ruhig geworden um The Books. Sie hatten sich im Anschluss an das dritte großartige Album „Lost And Safe“ eine Auszeit gegönnt und, mit Ausnahme des schönen Nick-Drake-Covers auf dem „Dark Was The Night“-Sampler (zusammen mit José Gonzales), hatte man inzwischen seit fast fünf Jahren nichts Neues mehr von ihnen zu hören bekommen. Nun ist endlich „The Way Out“ erschienen – das insgesamt vierte Studioalbum des amerikanischen Duos.

Bereits seit 1999 basteln Sänger bzw. Gitarrist Nick Zammuto und Cellist Paul de Jong ihre Alben aus eigenen Aufnahmen und Samples gefundenen Klangmaterials zusammen. Ihre Musik bezeichnen sie daher selbst als „Collage Music“. Vermutlich haben sie auch für ihr neuestes Werk wieder reihenweise Flohmärkte und Dachböden umgegraben, denn „The Way Out“ lebt einmal mehr von absurden bis lustigen Privataufnahmen oder Spoken-Word-Samples von beispielsweise streitenden Kindern, Anleitungen für Meditationsübungen oder gar Mahatma Gandhi. Dies verspricht zunächst einmal Spannung beim Hören. Einige der Songs leben jedoch ausschließlich von diesem gewissen Exotismus oder punkten lediglich durch ihre Obskurität, wie der Song „The Story Of Hip-Hop“. Dieser beinhaltet eine Kindergeschichte aus den 50er Jahren, welche von „Hip Hop“ handelt. Kulturhistorisch scheint derartiges fraglos interessant, als Lied kann es dennoch enttäuschen.

Obwohl mit Songs wie „I Didn’t Know That“, „A Cold Freezin’ Night“ oder „Free Translator“ auch sehr kunstvoll arrangierte, eingängige oder spannende kleine Kunstwerke auf „The Way Out“ enthalten sind, kann die Collagenmusik dennoch über weite Strecken nicht überzeugen. Vor allem in der zweiten Albumhälfte erscheinen viele der Songs zu belanglos und vermögen selbst nach dem zehnten Hören noch nicht zu begeistern. Daher dürfte dieses Album letztlich wohl als „anspruchsvolles“ Chill-Out-Album in unzählige Cafés Einzug halten, jedoch nicht annähernd den Stellenwert vorheriger Werke des Duos erreichen.

Noch vor wenigen Jahren haben The Books mit derselben Arbeitsweise vollkommen zu Recht große Erfolge gefeiert und waren zu Kritikerlieblingen avanciert. Dass sich dies im Jahre 2010 nicht wiederholen wird, dürfte unter anderem damit zu begründen sein, dass seit dem letzten Studioalbum der Band inzwischen renommierte Künstler wie The Knife, Burial, LCD Soundsystem oder Panda Bear nicht nur die elektronische Musik nachhaltig verändert haben, sondern sich auch die Hörgewohnheiten und Ansprüche der Rezipienten gewandelt haben. „The Way Out“ scheint somit für The Books weniger den proklamierten „Ausweg“ darzustellen, sondern führt sie geradezu in ein bisher nicht existentes Dilemma hinein. Genauer gesagt werden sie anerkennen müssen, dass sich das Rezept für innovative Musik allein in den fünf Jahren ihrer Abwesenheit massiv verändert hat.

Wertung: 65

Referenzen: Four Tet, Years, Aphex Twin, The Avalanches, Max Tundra

Label: Temporary Residence Limited

Links: Homepage, Myspace, Label

VÖ: 23.07.2010

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