„Na, ist Dir nach Liebe?“ Was in jedem Club der Welt als äußerst platte Anmache verstanden würde, scheint im Falle von Jacob Faurholt eine durchaus ernstgemeinte Frage zu sein. Zumindest erweckt sein aktuelles Album, auf dem er eine knappe halbe Stunde lang mit meist gebrochener Stimme klagt und fleht, den Eindruck, als hätte zumindest er vor allem eines äußerst nötig: Liebe, die er mit irgendjemandem teilen kann.

Und tatsächlich sieht es teilweise so aus, als sei dies ein gar nicht so unmögliches Unterfangen. Gleich im dritten Song, dem schwelgerischen „Let’s Build A House On This Ground“, malt Faurholt das Bild einer beschaulichen Zukunft an einem Ort, an dem man alt werden kann – und selbst wenn das nicht funktionieren würde, könnte man ja immer noch weiterziehen. Ähnlich zuversichtlich klingt „Irish I Am Not“, an dessen Ende die Erkenntnis „Our love is foolish, but in a good way“ steht. Dieses leichte Aufbrausen positiver Gefühlswellen soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Rest der Platte dann doch eher im Moll versinkt.

In „Blood On The Floor“ fragt Faurholt so mit brechender Stimme eindringlich „Oh my girl will you stay with me, will you stay with me after all I’ve done?“, während im nicht mal zweiminütigen „Love Is Sick (When No One Laughs At All)“ zu den sphärischen Klängen einer Hawaiigitarre das Ende einer Beziehung abgehandelt wird. Nur selten experimentiert der Wahlberliner übrigens mit derlei Instrumentation, der Großteil der Songs wird alleine von seinem Gesang und einer gezupften Akustikgitarre getragen. Lediglich leise, gehauchte weibliche Hintergrundstimmen dürfen sich in einigen Songs („True Love“, „We Stole Those Years“) dazu gesellen. Die größte Abweichung von der Norm findet sich deshalb auch in „Rusty Country Cage“, in dem eine zweite Gitarre durch ihr atonales und asynchrones Spiel für einen kurzen Bruch im ansonsten fein säuberlichen Melodieverlauf sorgt.

„Are You In The Mood For Love?“ ist bestens für einen einsamen Abend mit Rotwein, geplatzten Träumen und prasselndem Regen vor dem Fenster geeignet, aber für einen Platz im Herzen, für die große Liebe reicht es dann doch nicht ganz. Dafür sind Faurholts Lieder bisweilen etwas zu simpel und sein Gesang wirkt zu dramatisch, zu gezwungen. Aber zumindest erwecken die letzten Worte im abschließenden „You Sing No Louder Than A Little Bird“ die Hoffnung, dass er ein Happy End vielleicht auch gar nicht so akut nötig hat: „I feel like I should, I feel good“.

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Label: Divine Records

Referenzen: Adrian Crowley, M. Ward, Nick Cave, Sweetie Pie Wilbur, Bright Eyes  

Links: Homepage, Bandcamp, Label

VÖ: 27.08.2010

Ein Kommentar zu “Rezension: Jacob Faurholt – Are You In The Mood For Love?”

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