Empfehlung: Foxes in Fiction

Mysterium Musiker – Wer als Musizierender ernst genommen werden will, wird sich wohl eine möglichst geheimnisvolle Aura zulegen müssen, die mit der Musik einher geht und zu der etwaige Fans voller Bewunderung aufschauen können. Intelligent, kredibel, unnahbar und hip muss es sein, vor allem auch die Kommunikation über die unbegrenzten Möglichkeiten des World Wide Web. Das Twitter-Profil wird ausschließlich mit kryptischen Witzen gefüllt, die MySpace-Page wartet nicht nur mit ganz doll ironischen Genre-Kategorisierungen auf, sondern distanziert sich auch durch obskuren Nonsense in der Einflüsse-Sektion von all den Schubladisierungen und musikalischen Vorbildern, die man von anderen unterstellt bekommt – man ist ja schließlich vollkommen einzigartig.

Sollte all das ein Muss sein, kann Warren Hildebrand alias Foxes In Fiction eigentlich schon einpacken und das Musizieren sein lassen. Auf seinem Blog werden die neusten Lieblingssongs zum Download angeboten, wir erfahren, dass „My Own Private Idaho“ und „Requiem For A Dream“ zu Hildebrands Lieblingsfilmen gehören, er erzählt ausführlich, dass der Gig gestern Abend blöd gelaufen ist und was er sonst so in seiner Freizeit getrieben hat – Flickr liefert zusätzlich die Bebilderung zum ganz normalen Alltag dieses knuffigen 20-Jährigen. Wie soll die Musik zu all diesem profanen Zeug schon klingen?

Gut, natürlich. Und selbstverständlich liefert Warrens MySpace-Profil nichts als die ungeschminkte Wahrheit ohne jeglichen doppelten Boden. Easy Listening und Pop steht in Ermangelung passenderer Begriffe oben drüber, die Einflüsse, die u.a. Boards of Canada, The Velvet Underground, My Bloody Valentine, Bibio und Bradford Cox aufzählen, stecken den Sound von Foxes in Fiction adäquat ab. Insbesondere letzterem bzw. dessen Projekten Deerhunter und Atlas Sound eifert Homerecording-Artist Hildebrand unverhohlen nach, in erster Linie als begeisterter Fanboy, der sich von seinen Lieblingsbands dazu hat inspirieren lassen, selbst ein bisschen Musik zu machen und dabei ein talentiertes Händchen beweist. Selbst Cox‘ Übermut teilt er: Hildebrands erstes Album „Swung From Branches“ ist ähnlich wie Deerhunters „Microcastle / Weird Era Cont.“ ein Zweiteiler. Die A-Seite des 22-Tracks schweren „Swung From Branches“ beschäftigt sich mit transzendentalen, ineinander über gleitenden Drone-Landschaften ohne klare Strukturen. Daran schließt eine Sammlung aus lieblichen Dreampop-Songs als B-Seite an.

Wer will sich schon über Hildebrands allzu transparente und von jeglichem mythischen Künstlerdasein befreite Selbstdarstellung beschweren, wenn er Songs liefert, gegen die Bradford Cox auch nichts einzuwenden hätte? Deerhunter-Fans werden die einlullende Traumwanderschaft „Coffee Cups That Won’t Break Down“, die sanfte sommerliche Frische von „Jimi Bleachball“ oder „15 Ativan (Song For Erica)“ sowie den Glühwürmchen-Blues „Snow Angels“ mit offenen Armen empfangen. Letzterer ist übrigens – auch das lernen wir von Warrens MySpace – inspiriert von Angelo Badalamentis Twin-Peaks-Score, schließlich hat die liebe Mutti zu Weihnachten die DVD-Box springen lassen. Wer möchte dem Jungen bei derlei Eingeständnissen einen Mangel in punkto Coolness attestieren?

„Swung From Branches“ ist auf Moodgadget erschienen

Links: MySpace | Moodgadget | Blog

2 Kommentare zu “Empfehlung: Foxes in Fiction”

  1. […] Einen ersten Eindruck vom Künstler und seiner Musik erhaltet Ihr auf seinem Weblog, mehr Infos auf deutsch gibt’s z.B. hier. […]

  2. […] Einen ersten Eindruck vom Künstler und seiner Musik erhaltet Ihr auf seinem Weblog, mehr Infos auf deutsch gibt’s z.B. hier. […]

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