Bitte mal vor den Spiegel stellen und mit leidvoller Miene drei Mal „Thom Yorke“ sagen.  Wieder zurück? Gut, dann ist die offensichtlichste Referenz von „The dissolving“ schon abgehakt und wir können uns den anderen Aspekten des dritten Albums von Justin Grounds zuwenden, die all zu leicht von den augenscheinlichen Parallelen zum Radiohead-Vorsteher verdeckt sind.

Die finden sich vor allem in der Klangfarbe ihrer Kopfstimme wie in den melancholisch entrückten Songs, die scheinbar nur von einem sanften elektronischen Pluckern und Ticken in Bewegung gehalten werden. Dazu gesellt sich im Titelsong und Opener ein manipuliertes Klavier, das aber bei den ans Aufschreien grenzenden Zeilen „You pack yourself into your scream and wait for your soul to charge“ aussetzt, und wenn Grounds fortfährt mit „You should be burning like hell“ durch die Geige ersetzt wird. Auf ihr absolvierte Grounds eine klassische Ausbildung, ließ sie aber bei seinen ersten beiden Longplayern zugunsten von Klavier und Gitarre links liegen. Jetzt rückt er sie wieder deutlicher ins Zentrum, vor allem bei „Night blessing“, wobei es den Klassik-Fan schaudern dürfte, wenn der Brite auf der Violine schabt und kratzt, ihre Töne digital filtert und zerhackt. Würde Owen Pallett das hören, würde er es sicher nicht bei einem anerkennenden Schulterklopfen belassen.

Dass die Bearbeitung der Instrumente so deutlich zu hören ist, liegt auch an der Transparenz der Produktion. Selten finden sich mehr als vier Spuren in einem Song wieder, die Instrumente haben damit Raum zum Atmen und Wirken. Am Beginn eines Songs stehen elektronische Flächen, Clicks und Cuts, und nachdem oder bevor der oft ebenfalls gefilterte Gesang einsetzt, gesellen sich wahlweise Geige, Klavier, Kalimba, Orgel, Glöckchen und Percussion hinzu. Alles hat Grounds selbst eingespielt, nur der kaum wahrnehmbare Backgroundgesang an einigen Stellen wurde von seiner Frau Allison Roberts beigesteuert, mit der er das Album auch gemeinsam arrangiert und produziert hat.

Die beiden leben zurückgezogen in den irischen Wäldern, ihr eigens gegründetes Label Exploding Tree vertreibt neben Grounds Musik auch Roberts selbst hergestellte Fairtrade-Schokolade. Das kann man zynisch als schlechte Hippie-Phantasie abtun, man kann aber auch anerkennen, dass die beiden diese Lebensweise wählend ganz bei sich sind. Diese Atmosphäre, in sich ruhend und intim, spiegeln auch die acht Songs der Platte wider, und übertragen sie auf den Hörer. „This is the sound of all your suffering and all your love and all your fear and all your losts and all you have and all you have, has brought you here, to this”. Man möchte nirgedwo anders sein.

80

Label: Exploding Tree Records

Referenzen: Thom Yorke, Radiohead, Owen Pallett, Patrick Watson, CocoRosie

Links: Homepage, MySpace

: 12.04.2010

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