Tape auf Abwegen: Vol. 07 - Ina Simone Mautz

Wir freuen uns überaus, euch mitteilen zu können, dass das Tape diese Woche in die  Hände von Ina Simone Mautz gefallen ist. Liebevoll wurden die Stücke in längeren Sitzungen ausgewählt, die passenden Platten aus der Kiste gekramt, der rote Faden gespannt. Das Ergebnis beeindruckt und holt den einen oder anderen Schatz aus der Ecke hervor – kein Wunder, schließlich kann Ina inzwischen auf eine siebenjährige Karriere bei den Kollegen von plattentests.de zurückblicken. Doch bevor ihr euch jetzt allzu schnell auf unsere siebte Ausgabe des „Tape auf Abwegen“ stürzt, werft doch mal einen Blick auf die MySpace-Präsenz von Ina Simone & The Lonesome Thrones. Dort findet ihr u.a. den wunderbaren Song „Seek & Hide“, der zudem auch auf dem Soundtrack des kürzlich in die Kinos gekommenen Films „Keep Surfing“ enthalten ist.

„I’ll teach you how to disappear / I need a willing volunteer / Vanishing to thin air / Leave your worries on these crowded streets.“ Könnte es passendere Zeilen geben, um ein Tape auf Abwege zu schicken? Es ist aber auch sehr, sehr leicht sich jemandem wie Ed Harcourt anzuvertrauen, schließlich hat er seit 2001 weitgehend unbemerkt vier durchweg umwerfende Alben veröffentlicht. Das fünfte, „Lustre“, produziert von Ryan Hadlock (The Gossip, Blonde Redhead, Eagle*Seagull, Stephen Malkmus), erscheint am 18. Juni und wird als „sein großes Popalbum“ in Harcourts Diskographie eingehen. Die herrlich entschlossen polternden Drums von „A Secret Society“ eröffnen nun also das Tape und wenn die Gitarre und diese unglaublich hingebungsvollen, geradezu exzessbereiten Vocals einsetzen, möchte man schon fast The Ed Harcourt schreiben. Aber nur fast. Denn dann kommt schon der Refrain um die Ecke – irgendwo zwischen Sixties-Pop, Beach Boys und Motown. „I’ll change my number / Don’t try to call me / I’m ready to escape.“

Laura Burhenn alias The Mynabirds aus Omaha zwitschert „Numbers Don’t Lie“ direkt hinterher, und das ist jetzt wirklich hundertprozentiger Motown-Sound. Sie klingt ein bisschen wie eine junge Dusty Springfield und hat ihr hinreißendes Debütalbum „What We Lose In The Fire We Gain In The Flood“ unter Aufsicht und tatkräftiger Unterstützung des großartigen Richard Swift aufgenommen, der wiederum mit „The Atlantic Ocean“ eines der tollsten Alben des Jahres 2009 veröffentlicht hat. Noch kein Album gibt es von Rachel Kenedy. Sie hat noch nicht einmal einen Plattenvertrag, was ein ähnlich großer Skandal ist wie der ewige Geheimtippstatus von Ed Harcourt. Aber die gerade 20 Jahre alte Singer/Songwriterin und Multiinstrumentalistin aus London, die ihre Lieder mit einfachsten Mitteln selbst aufnimmt, gehört zum Besten, was man auf MySpace entdecken kann. Aber wie in Worte fassen? Am besten einfach anhören. „Sparrow“ ist eine wunderschöne, nostalgische Pianonummer. Da möchte man schon gerne wissen, wer oder was Miss Kenedy dazu inspiriert hat.

Das ist das Stichwort für Andrew Vladeck aus New York. Er hat ein Americana-Folk-Goldstück parat, das ihm vollkommen zurecht den ersten Preis der International Songwriting Competition eingebracht hat, und verkündet: „The songs you inspire / You don’t deserve / Turn it up higher / So you get the words / They’re my gift / They’re my curse / The songs you inspire.“ Verdient oder nicht – wer möchte nicht Inspiration für ein Lied wie dieses sein? Über Vladeck muss man außerdem noch wissen: Er ist ein Meister am Banjo, das er auch gerne mit einem Verstärker verquickt. Live ist dieser Herr besonders zu empfehlen, wie YouTube vermuten lässt – er kommt im September sogar mit seiner famosen Platte „The Wheel“ auf Deutschlandtour, unbedingt schonmal ein Vormerk-Kreuzchen in den Kalender machen.

Passend dazu das große, würdevolle Finale „Jesus Was A Crossmaker“! Eine für das Judee-Sill-Tribute-Album „Crayon Angel“ aufgenommene Coverversion, gesungen von der verehrungswürdigen Schwedin Frida Hyvönen, deren letztes Album „Silence Is Wild“ (2008) auch eines von denen ist, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten. Denn es ist nicht weniger als ein Meisterwerk. Ganz wie Judee Sills Debütsingle aus dem Jahr 1971 – die schon vielfach gecovert wurde, u.a. von Warren Zevon, Rachael Yamagata und den Hollies. Aber Hyvönens Version ist mit Abstand die schönste. „One time I trusted a stranger / ‚Cause I heard his sweet song / And it was gently enticin‘ me / Though there was somethin‘ wrong / But when I turned he was gone…“

Ed Harcourt – A Secret Society

The Mynabirds – Numbers Don’t Lie

Rachel Kenedy – Sparrow

Andrew Vladeck – The Songs You Inspire

Frida Hyvönen – Jesus Was A Crossmaker

Ein Kommentar zu “Tape auf Abwegen: Vol. 07 – Ina Simone Mautz”

  1. […] paar Tage sind vergangen, seit Ina uns ihr sorgfältig kompiliertes „Tape auf Abwegen“ überreichte. Nun kehrt wieder der Alltag ein, die Songs für die aktuelle, zehnte diesjährige […]

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