Den angebrochenen Whiskey in der Tasche, den Sattel sicher gespannt, das Ziel ungewiss; noch kurz der routinemäßige Griff in die Tasche. Ja, genug Kippen sollten es sein. Die Kühe heben trotzig den Kopf, machen aber dennoch Platz. Auf geht’s. Das Diktiergerät griffbereit, die Zügel rechts, in der Linken die feuchte Mundharmonika; die Spuckereste aber trocknen schnell in der aufgehenden Morgensonne. Fest steht: Ein Faible für diese reichlich angestaubten Phantasien sollte vorhanden sein, um sich mit „Dictaphones Vol.01“ auseinandersetzen zu wollen.

Emit Bloch muss man das Wort Freiheit nicht groß erläutern. Mit der Lebensgier des Beatniks zieht es ihn immer wieder fort, in die Fremde, am liebsten zu den ganzen Mädels da draußen: „I wanna kiss your face cause I really love the taste / I whisper in your ear just so I can smell your hair / And I like the wiggle in your waist“ flirtet so etwa das ansteckende „Ain’t No Two Ways“ munter drauflos – der Alltag wird abgeblockt, man geht lieber auf Entdeckungsreise; vor allem körperlich, versteht sich.

Musikalisch gibt es drei prägnante Eckpfeiler. Da wäre vor allem das Dylan‘sche Einswerden mit der Mundharmonika zu nennen, aber zweifelsohne auch das Singer/Songwriter-Blut eines Woody Guthrie, auffällig zudem die stimmlichen Parallelen zu Hank Williams. Bloch gelingt es jedoch über weite Strecken, diese Größen zu zitieren, ohne viele Zweifel an der eigenen Authentizität aufkommen zu lassen. Einen großen Anteil trägt dazu sicherlich der Demo-Charme der Stücke von „Dictaphones Vol.01“ bei, wurden die Songs doch allesamt über das – wie der Name schon sagt – Diktiergerät eingespielt. Spontaneität ist hier Trumpf, der Moment gewinnt, sowas wie Overdubs spielt in Blochs Denken keine Rolle.

Die kindliche (Spiel-)Freude, die einem bei „Bottom Class Middle Feeding Top Hat Duet“ oder „Probububbly“ unweigerlich ein Lächeln ins Gesicht zaubert, harmoniert in vielen Momenten prächtig mit dem durchgehenden Geschrammel, auch wenn es „Dictaphones Vol.01“ über die ganze Distanz recht einseitig erscheinen lassen mag. Spaß macht das aber trotzdem, etwa wenn „This Is Good“ zum lebensbejubelnden Schlag ansetzt und alle Viere von sich wirft: „We can be happy you and me / We’ll be like fishes in the sea / shave your heads just like Britney / We’ll behave just like children“. Jaja, Humor hat er auch – und die Nächste längst angebissen. Am Ende des Tages zieht Bloch mit dem wundervollen „Checkered Past“ dennoch erneut von dannen, dieser Mann hat eben seine Prinzipien. Und eine persönliche Glücksformel: „Take your hat off to the wide open spaces / Take your hat off and just smile.“ Das Leben kann so einfach sein.

72

Label: One Little Indian (Rough Trade)

Referenzen: Woody Guthrie, Bob Dylan, The Tallest Man On Earth, Hank Williams, Jim White

Links: Mute Song, MySpace

VÖ: 02.04.2010

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