Die Schatten der Vergangenheit sind groß: The Unwinding Hours machen da weiter, wo die beliebte Vorgängerband 2007 mit "My Heart Has A Wish That You Would Not Go" ihr letztes Statement abgab. Ein bisschen überraschend ist das schon.

Bereits mit dem Opener betreten Craig B. und Iain Cook altbekanntes Terrain. Leise pirscht sich "Knut" heran, geduldig, ganze zwei Minuten sollen verstreichen bis endlich die ersten Vocals durchdringen und nochmals in aller Deutlichkeit offenlegen, was man in den letzten drei Jahren so schmerzlich vermisst hat. Die Band setzt auf die Ausdruckskraft von Craigs Stimme und deren klangliche Einbettung anstatt auf soundtechnisches Neuland oder waghalsige Experimente. "The Unwinding Hours" ist gezähmter, teils balladesker Post-Rock, stets traurig-melancholisch – häufig entlädt sich die langsam aufgebaute Spannung in relativ überschaubarem Rahmen erst gegen Ende des Songs. Exemplarisch hierfür steht etwa das abschließende "The Final Hour". Soweit, so gut.

Natürlich können sich The Unwinding Hours diesen "Stillstand" in gewisser Weise leisten, solange sie mit träumerischen Stücken wie "Tightrope" oder "Child" weiterhin so gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und herzerwärmend ehrlichem Songwriting tänzeln und somit gleichzeitig kontrolliert und dennoch authentisch auf das längst aufgewühlte Gefühlsinnere abzielen. Da stört es auch nicht groß, wenn die oben erwähnten "Knut" oder "The Final Hour" von einer etwas vorhersehbaren Struktur gekennzeichnet sind.

Überraschend hingegen ist das plötzliche Umschwenken der sehr zurückhaltend beginnenden "Peaceful Liquid Shell" oder "There Are Worse Things Than Being Alone". In letzterem verirrt sich Craig B. hilflos im unangekündigtem, plötzlichen Noisenebel und fleht um die eigens nicht zu bewerkstelligende Flucht vor der schmerzenden Realität: "Let me out of here, my love let me out of here, my love get me out of here". Erwischt er einen auf dem falschen Fuß, hat dieser Stich verheerende (Neben-)Wirkungen.

Dasselbe gilt für das "Herz"-Stück: Das folkige, simpel von Akustikgitarre und Piano getragene "Solstice" kommt einem in knapp 180 Sekunden bedrohlich nahe. Massive, aus reinem Selbsterhaltungstrieb entstandene, langjährig angewachsene Blockaden wackeln, lassen einen taumeln. Ein lähmender Zustand macht sich breit. Und erinnert an alte Tage.

75

Label: Chemical Underground (Rough Trade)

Referenzen: Aereogramme, Frightened Rabbit, The Twilight Sad, Oceansize, Savoy Grand, Logh, Ramona Falls, Tom McRae

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VÖ: 12.02.2009

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