Plattenkritiken


Rezension: Roll The Dice – Roll The Dice

Rezension: Roll The Dice - Roll The Dice

Einen bewussten Kontrapunkt zu setzen, hat in der Kunst seit jeher Sinn gemacht. Der Rückgriff auf die Anfänge im Zusammenspiel mit dem Wissen um das aktuelle Produktionsgeschehen ist auch im Falle dieser beiden Stockholmer (Malcolm Pardon und Peder Mannerfelt, "The Subliminal Kid")  eine gewinnbringende Zusammenkunft. Und nicht im mindesten so zufällig wie das Treffen der beiden Protagonisten in der Haupstadt Schwedens, die übrigens auch im Umfeld des vielgepriesenen Fever Ray-Projektes anzutreffen sind.

Analoge Röhren-Synthies treffen bei Roll The Dice auf Klaviertöne, auf Drumcomputer wurde gänzlich verzichtet. Dass das Ergebnis dennoch einwandfrei nach elektronischer, digitaler Musik klingt, ist der Produktion geschuldet, die jederzeit sich auch die Freiräume nimmt und durchaus experimentellen Charakter aufweist, wie das verwirrt-zerschossene „Into The Ground“ beweist. Da hilft selbstredend auch keine noch so simple Klaviermelodie, um den Wahnsinn im Zaum zu halten. Diese Song-Architektur ist verbogen und erinnert an avantgardistische Projekte der Vergangenheit, die quasi permanent mit schrillem Schrei ruft. Brian Eno und noch Krautigeres sind nie fern und kreuzen immer wieder das Periskop des schwedischen Duos, das alle Songs in jeweils nur einem Tag eingespielt haben soll.

Wer aber daraus Rückschlüsse zieht, dass „Roll The Dice“ ein leichtes, lebensfrohes Werk darstellt, tappt in die Falle. Schnell und flüchtig gerät hier nichts, alles ist oftmals diffus und bodenloser als das erste Hören offenbaren mag. Zwischen fahriger Abstraktion („After“) und hemmungsloser Hinwendung zu demolierten Melodien („Axee“) entsteht eine Welt, in der noch nicht alles ausformuliert scheint und gerade deswegen Lust auf mehr macht. Diese instrumentalen Welten sind herrlich eigen und störrisch zugleich. Und auch wenn es manchmal etwas bissiger wird: Eine Grundwärme lässt sich nicht verleugnen. Irgendwo in der Tiefe der Synthies.

Leider ist dieses Album nur noch als digitaler Download erhältlich, die limitierte Vinyl-Edition war bereits nach wenigen Tagen vergriffen.

Wertung: 73

Label: Digitalis

Referenzen: Brian Eno, Prins Thomas, !!!, Dragons Of Zynths, The Subliminal Kid, Gas

Links: MySpace, Digitalis

VÖ: 12.02.2010


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