EluviumSimiles

Als Eluvium kreierte Matthew Cooper auf bislang vier Alben elektronisch-orchestralen Ambient mit zusehends größerer Gestik und abnehmendem Rauschanteil, von dem zuletzt nur noch ein wohlig-bassspendendes Dronegerüst übrig blieb. „Similes,“ Eluviums erstes Album nach dreijähriger Funkpause, führt im klassisch songstrukturierten Auftakt „Leaves Eclipse The Light“ – neben uhrenartig tickender Perkussion – gleich zu Beginn ein neues Instrument in Coopers expandierende Klangpalette ein: seine Stimme.

Anfangs wirkt sie noch völlig eindimensional, entpuppt sich bei genauerem Hinhören jedoch als fein gedoppelt. Dass die verschiedenen Ebenen ihre Einsätze nie exakt zu synchronisieren scheinen, verleiht Coopers Stimme(n) eine unstetige Geisterhaftigkeit, lässt sie nicht zu sehr in den Vordergrund rücken. Was auch gut ist, denn durch seine kleine tonale Bandbreite ist Coopers einfarbiger Gesang nicht zu so ausdrucksstarken Melodiebögen fähig wie Piano oder Streicher, ihm fehlt aber auch die Funktionalität der rhythmusgebenden Klicks oder atmosphärischen Dronemäntel.

Besonders in der zweiten Albumhälfte wird er jedoch nur noch spärlich eingesetzt, hier zeigt Cooper abermals, dass man keine Worte braucht um betörende Melancholie zu vermitteln. Mit behutsamer sequenzierter Aufeinanderschichtung schwillt „Making Up Minds“ über 6 Minuten zu wahrer Pracht an, „Bending Dream“ ist hingegen die Art von konstantem Sphärenschweben, das gerne auch 30 statt 3 Minuten andauern könnte. Perkussionselemente wie sie dort gänzlich abwesend sind fügen sich ansonsten bestens ins Gesamtbild ein, das Klackern im pianodominierten „Weird Creatures“ beispielsweise hängt im Raum anstatt unnötig ins Geschehen einzugreifen.

Nach der Breitbild-Opulenz von Eluviums letztem Album „Copia“ wirkt „Similes“ intimer, in seiner gesanglichen Grauheit fast ein wenig verkatert. Doch auch wenn dieser Schritt nach vorne nicht immer sicher ist, zwischen den Alternativen Stillstand und Regression ist er gewiss die Wahl mit mehr Zukunftspotential.

61

Label: Temporary Residence Limited / Cargo

Referenzen: Stars Of The Lid, Brian Eno, Erik Satie, Helios, Philip Glass

Links: Homepage, Myspace, Label

VÖ: 26.02.2010

Ein Kommentar zu “Rezension: Eluvium – Similes”

  1. […] Die durchkomponierten Songs zu Anfang und Ende gelingen ihm noch ausgedehnter und besser als auf „Similes“, während Cooper in anderen Stücken ebenso das Rauschen wie den Drift von „Static Nocturne“ […]

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