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Rezension: Charlie Alex March – Home/Hidden

Rezension: Charlie Alex March - Home/Hidden„Ladies and Gentlemen, we’re floating in space“, und zwar in einem recht flauschigen Gefährt, das, geht man von Knarf Rellöms These aus, nach der Raumschiffe mit Musik betrieben werden, behaglich schaukelnd durch ein All fliegt, in dem der eine oder andere Planet schon einmal wie ein Regenbogen schimmert. Etwas anderes ist mit einer Energiequelle in Form eines elektronisch geprägten Albums, an dem Sean O’Hagan (High Llamas) und Andy Ramsay von Stereolab beteiligt waren, auch nicht zu erwarten.

Eine Zusammenarbeit zwischen den beiden fand bereits beim letzten Stereolab Album „Chemical Chords“ statt und schlug sich in einer mit Beach Boys-Streichern versehenen Hommage an die guilty pleasures des Space Age Pop nieder, und spätestens, wenn man beim zweiten Song des Debüts des Briten Charlie Alex March angelangt ist, das nach einem eher belanglosen Opener aufhorchen lässt, weiß man, dass „Home/Hidden“ ein ähnlicher Entwurf mit anderen Mitteln ist. Gemeinsam mit dem nachfolgenden „Cortot No 7“ werden hier die Gefilde der musikalischen Leichtigkeit skizziert, die auf diesem Album durchmessen werden, es geht nämlich zurück in die Vergangenheit.

Stellt man sich eine Zeit vor, in der zwei verfeindete Großmächte sich und eventuell sogar noch die gesamte Erde mitsamt Bevölkerung jederzeit aus undurchsichtigen Motiven oder Versehen auslöschen können, dann ist die Hoffnung, diesen Planeten einmal verlassen zu können, recht tröstlich. Im Weltall gibt es schließlich keine Grenzen und genügend Platz, Entdeckerfreude ist dort gefragter als Konformität. Ideologien bräuchte man auch nicht mehr, eine geeinigte Menschheit, die gemeinsam durch das All reist, hat anderes nötig als den Streit über die mögliche Staatsform oder Gesellschaftsordnung, die dann sowieso schon eine ganz andere als sämtliche gegenwärtigen wäre. Das liegt an den völlig neuen Wegen der Kommunikation und Unterhaltung, die bedingt durch die Computer, von denen nun alles geregelt wird, Essen aus dem Nichts materialisieren, Türen automatisch öffnen und atmosphärische Musik spielen. Dass all das vielleicht nicht ganz so einfach werden könnte, weiß man nicht erst seit Stanislav Lems „Solaris“ von 1961, dessen Pessimismus noch weit hinter dem seines letzten Science-Fiction Romans „Fiasko“ (1986) zurückbleibt, da in diesem noch drastischer gezeigt wird, wie schrecklich egozentrisch, paranoid und beschränkt sich die Menschen auch im All verhalten können.

Auf „Home/Hidden“ geht es bei weitem naiver zu, wenn auch nicht ganz so entrückt wie auf der im Januar erschienen Compilation „Mandarinenträume“, auf der elekronische Stücke aus der späten DDR versammelt wurden. Anders als diese basiert die rein instrumentale Musik Charlie Alex Marchs nämlich nicht nur auf sphärischen, blubbernden und fiepsenden Synthesizern. Auch, wenn diese ein wichtiges Element darstellen und wie bei „Clouds Over You Again“ einen ähnlichen Effekt wie die Ost-Elektronik erzielen, sind sie im Gesamtkontext „Home/Hiddens“ doch nur Zeitzeugen, die von „herkömmlichen“ Instrumenten befragt werden, was perfekte Popmusik sein kann. Das tun sie in dem Bewusstsein, die Gegenwart zu beherrschen, höflich, interessiert und ein wenig herausfordernd bieten sie den alten monophonen Geräten die Möglichkeit, ihr klangliches Ideal vorzuführen, machen aber auch schnell klar, dass dieses keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben kann, indem sie kurzerhand etwas weitaus älter wirkendes ins Feld führen, Pop nämlich, wie ihn die Beach Boys auf „Pet Sounds“ erschufen („Cortot No 6“). Doch nachdem beide Parteien die überragende Qualität dieser Art von Komposition ins Spiel gebracht haben, wird ihr Gespräch zunehmend uninteressant, die Diskussion ist kein Austausch mehr, sondern ein gegenseitiges Bestätigen, die Spannung nimmt ab und die Aufmerksamkeit schwindet, da ein Interesse geweckt wurde, dass nun nicht mehr befriedigt werden kann.

Wertung: 63

Label: Lo Recordings

Referenzen: High Llamas, Stereolab, Vincent Oliver, Francis Lai, Sebastien Tellier, Jean Michel Jarre

Links: Myspace

VÖ: 05. 02. 2010


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