Empfehlung: Burkina Electric

Die Tage schrieb mir Dr. Kopano Lesedi von der Staatsbank Burkina Faso per Mail. Er hätte da so ein Problem, nachdem sein ehrenwerter Geschäftskumpan just verstarb und ein beträchtliches Vermögen in Millionenhöhe hinterließ, dass laut den Gesetzen binnen drei Jahren in Anspruch genommen werden muss. Da sich aber keine Verwandten melden, kam er auf die kluge Idee, mir mal seinen „Geschäftsvorschlag“ zu schicken, bei dem ich nur für kurze Zeit mein Konto zur Verfügung stellen müsste, um späterhin 20% der Transfersumme mein Eigen nennen zu können. Na klar doch!

Dabei ist nicht alles Spam, was aus Burkina Faso kommt.  Da gibt es beispielsweise eine Truppe namens Burkina Electric aus  der Hauptstadt Ouagadougou, die sich mit Künstlern aus Düsseldorf und New York zusammengetan haben, um dem Globopop ordentlich Staub aus den Ritzen zu klopfen. Denn ihre Mischung geht weit über das hinaus, was man heutzutage unter dem Weltmusik-Label findet, verharrt aber dank der Gesänge und eigenwilligen Rhythmen der Ouaraba und Ouenega doch tief in der Sahelzone. Allerdings werden diese Songs in einen kosmopolitischen Rahmen gehängt – M.I.A. oder El Guincho grüßen freundlich aus der Ferne.

Für die elektronischen Sperenzchen zeichnen sich bei Burkina Electric Lukas Ligeti (Sohn des berühmten Komponisten) und Kurt Dahlke (Ex-Fehlfarben, D.A.F. und Der Plan) verantwortlich, was vielleicht erst einmal erschaudern lässt, sich aber dann letztlich doch so gar nicht weltumarmend auswirkt, wie erwartet. Natürlich sind die Texturen zwischen flüchtigem Drum’n’Bass und brüchiger Elektronik nicht unbedingt immer gänzlich auf der Höhe der Zeit, aber hier macht letztlich die Mischung den Ton. Das unbekümmert wuselnde „Bobo Yengue“ oder das zersplitterte „Sankar Yaare“ sind großartige Hits, die wir uns im Fußballkulturjahr 2010 gerne gefallen lassen. „La Voix Du Boulgou“ gewinnt Tiefenschärfe durch synthetische Bässe, die diesen Afropop einmal mehr mit Varianz ausstatten. Dennoch lautet die einfache Formel auf „Paspanga“: Je mehr Afrika, desto besser. Wenn man auf so unappetitlichen Worldhouse wie „Gom Zanga“  gleich ganz verzichtet hätte, wäre dieses Album eine noch buntere  Kollaboration geworden. Aber auch so fällt dieses Projekt mit Lebendigkeit und erfrischender Bauchlastigkeit positiv auf. Lebensfreude unterliegt eben keiner regionalen Beschränkung.

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