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Rezension: Vampire Weekend – Contra

Rezension: Vampire Weekend - Contra

In der Januarausgabe einer großen deutschsprachigen Musikzeitschrift stand sinngemäß zu lesen, die Hegemonie des als „authentisch“ verkauften Indierocks sei gebrochen, ein Beleg dafür lasse sich zum Beispiel in den glamourösen Frauengestalten des aktuellen Pop (Lady Gaga, La Roux) finden, den musikalischen Sargnagel des Indierock der 00er aber hätten Vampire Weekend mit ihrem neuen Album „Contra“ geliefert.

Ganz so weit muss man nun nicht gehen, schließlich schaffen die vier Mittzwanziger aus New York das Prinzip Rockband wohl kaum ab, angefangen dabei, dass es sich bei ihnen um vier junge Herren handelt, uniform gekleidet und somit durchaus als Jungsbande wahrnehmbar. Und schaut man sich die Menschen, die zumindest bisher an Vampire Weekend interessiert waren, an, dann merkt man, dass es sich hierbei größtenteils um Nerds und Hipster handelt, ein Kreis von Leuten, in dem sich recht wenige Frauen tummeln und in dem solche sich auch leider immer noch schwer behaupten können. Auch wird die Band mit Sicherheit in Indiediscotheken aufgelegt werden, die Abschaffung des Rock(‘n’Roll) gehört jedoch kaum zur Zielsetzung dieser.

All das hat freilich nur mit dem zu tun, wie und wo die Band wahrgenommen und gehört wird, musikalisch ist das durch sie Vorgetragene tatsächlich anders als vieles, was in Charts und Clubs an songorientierter Musik vertreten ist, und das schon seit dem Debüt der Studenten der Eliteuni Columbia University. Man konnte sich also durchaus bereits an all die Rhythmusherrrlichkeit, die uns auch auf „Contra“ wieder erwartet, herantasten, kommt aber dennoch nicht umhin, sich über die neu hinzugekommene Vorliebe für tupfenhafte, bunte Sounds zu freuen. In dieser Hinsicht erwies sich der bereits vor Albumveröffentlichung kursierende Song „Horchata“ als passender Trailer für einen Langspieler, von dem man lange nicht wusste, wie er letztendlich ausfallen würde. Nach mehrmaligen Hören ist von dieser Spannung nicht mehr sehr viel übrig.

Um nicht missverstanden zu werden: „Contra“ ist weder ein einfallsloser Aufguss des Debüts noch ein fehlgeleiteter Versuch in Sachen musikalischer Entwicklung, diese wurde durch die Aufgabe der Vormachtstellung der Gitarre ebenso dezent wie geschickt vollzogen. Doch all die sonnenbetriebene Leichtigkeit, die ihr Debütalbum zu einem Lichtblick im dunklen Januar 2008 machte, ist nach wie vor anzutreffen, und wie auch bei diesem schämt man sich in der ersten Begeisterung keineswegs, mit lichtbasierenden Metaphern und Bildern um sich zu schmeißen. Apropos „schämen“: ja, auch hier klingt wieder vieles nach Paul Simon (für den man sich, nebenbei erwähnt, nicht einmal schämen muss), das Graceland ist kein Wasteland, dort herrscht Highlife mit Afrobeat, Baile Funk, Ska, Reggaeton und, vielleicht am überraschendsten, Synthiepop („Giving Up The Gun“), und zwar in einer solchen hyperaktiven Ausgelassenheit (siehe die Hektik bei „Cousins“), dass es nicht weiter verwundert, wenn zwei Balladen, nämlich „Taxi Cab“ und „I Think Ur A Contra“, notwendig werden, um Ruhe zu spenden. Hier gibt’s die ganze Welt der Musik in Weltmusik, möchte man fast kalauern, aber nein, so ist es dann doch wieder nicht.

In erster Linie klingt das Album nämlich nach einer zweifellos intelligenten Band, die zu wissen scheint, was es bedeutet, Vampire Weekend zu sein und Popmusik zu spielen, die nach mehrmaligen Hören allem voran das Produkt einiger Menschen ist, die im Falle von  der New Yorker unwahrscheinlich preppy aussehen und eine starke Corperate Idendity zu besitzen scheinen. Ein hoher Wiedererkennungswert mag für das Erschließen eines neuen Publikums von Vorteil sein, in musikalischer Hinsicht jedoch steht am Ende einzig die Erkenntnis, dass Vampire Weekend kluge Weltmusik spielen, etwas, das man auch schon vorher wusste. Ob die Songs auf „Contra“ dem des Debüts in dieser Hinsicht überlegen sind, steht zwar außer Frage, etwas frischer klingt der Erstling aber auch heute noch. Und in Sachen Poprettung per Weltmusik wenden Sie sich bitte an Fool’s Gold aus Los Angeles.

Wertung: 67

Label: XL Recordings

Referenzen: Paul Simon, Talking Heads, Fool’s Gold, Peter Gabriel, El Guincho, Fela Kuti, Yeasyaer

Links: Homepage / Myspace

VÖ: 08. 01. 2010


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