Plattenkritiken


Rezension: Roy Montgomery / Grouper – Split

Rezension: Roy Montgomery / Grouper - Split

Das zerbrechliche, verstörende 2008er Juwel “Dragging A Dead Deer Up A Hill” zählt mit Sicherheit zu der selten gewordenen Spezies von Alben, deren Ausstrahlungskraft auch lange nach dem ersten Date noch für weiche Knie sorgt. Eine schemenhaft zu erkennende Gestalt, hinter dichtem Nebel versteckt, verschleiert, so unantastbar, dass der davon ausgehende, unendlich große Reiz schmerzt – Nähe wird man von ihr nie erfahren, so viel ist klar. Und doch lässt Liz Harris alias Grouper mit Roy Montgomery einen Vertrauten an ihre Seite, wenn auch “nur” für eine Split-LP.

Dieser baut, das war zu erwarten, in knackig kurzen 18 Minuten erstmal in aller Gemütsruhe sein eigenes Gerüst auf. Orientalisch-psychedelisch, dronig, ja, fast krautig kommt “Fantasia On A Theme By Sandy Bull (Slight Return)” daher, verweist auf die 60er (Witthüser & Westrupps “Orienta” ist manchmal gar nicht so weit weg), ist aber dennoch irgendwie im Hier und Jetzt verankert und fordert einen, das ist mal klar, ziemlich heraus. Gängige Strukturen lassen sich selbstverständlich wenig bis gar nicht erkennen, ständig bäumt sich das Stück immer wieder mächtig auf, das Spiel mit der Akustischen gewinnt sekündlich an Intensität, bis der Song in unregelmäßigen Abständen doch wieder in sich zusammen fällt. Das wirkt gleichermaßen ausgeklügelt wie improvisiert und kann die Spannung erstaunlicherweise über die volle Distanz halten.

Nun aber ist Grouper an der Reihe. Langsam lauter werdendes Rauschen macht sich breit, ähnlich wie bei “Dragging A Dead Deer Up A Hill” muss sich Harris erstmal ihren Weg bahnen, um beim Hörer zu landen. Nach knapp zwei Minuten ertönt die sehnlichst erhoffte Stimme in “Hollow Press”, ganz so, als befände man sich in einer großen Kirche und hörte, wie die Töne von den zahlreichen Wänden zurück gleiten und sich in Slow-Motion im gemeinsamen Hall verlieren. All das dient als Intro für die beiden Kernstücke der EP, die dezent in Szene gesetzten, entwaffnenden “Vessel” und “Hold The Way”, in denen gespenstige Unterwasser-Klänge die raumfüllende, butterweiche Stimme der 30-jährigen Dame aus Portland kunstvoll untermalen. So ungefähr dürfte es klingen, wenn Bradford Cox und Beach House gemeinsame Sache machen würden und sich zudem die junge Jesy Fortino aka Tiny Vipers als Gastsängerin eingeschlichen hätte. Ein anhaltender Schwebezustand, der für sich genommen schlüssig mit den wabernden, beruhigenden Field Recordings in “Pulse” wieder ins Jenseits gleitet, aber dennoch die Frage aufwirft, wie das denn jetzt zu Montgomerys intensivem, ausgelassenem Gitarrenspiel passen mag.

Wertung: 71

Label: Root Strata, Yellow Electric

Referenzen: Atlas Sound, Beach House, Witthüser & Westrupp, Tiny Vipers, High Places, Can, Vashti Bunyan

Link: MySpace, bei Boomkat gibt es das Werk für faire vier britische Pfund als MP3-Download!

VÖ: 02.01.2010


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