Devin TownsendAddicted

Es ist eigentlich egal ob man Metal überwiegend zu- oder abgewandt ist, die Wahrscheinlichkeit, dass man „Addicted“, das zweite Album des Devin Townsend Project, mögen wird ist etwa gleich hoch. Denn auch wenn die Gitarre des kanadischen Projektchefs Devin Townsend einen entschieden schweren Sound hat, die massiven Hooks, die er ihr entlockt sind nicht weniger poppig als die einer Lady GaGa und werden von funkelnden Synthbänken so glammig-bunt besprenkelt, dass jeder bierernste Traditionalist im Handumdrehen Reißaus nehmen dürfte.

Ohnehin gibt es bei Townsend nicht „nur“ eine Band zu hören, im heimischen Aufnahmestudio hat er auf zahllosen Spuren einen ganzen Haufen aus Gitarren, Gesängen, Synths und allerlei elektronischen Hintergrundeffekten zu einer vielschichtigen Sea Of Sound zusammengeführt. So mögen einzelne Klangcharakteristika dem Metal entliehen sein, stilistisch sind sie jedoch nur Mittel zum Zweck um Songs zu machen als hätte Trent Reznor mal an Glam Gefallen gefunden, ähnlich wie die japanischen Mad Capsule Markets auf ihren späteren Werken eingängige Melodien mit ihrer Vision von Digital Hardcore transportierten oder jüngst Fuck Buttons mit noisig oszillierenden Melodien hantierten. Townsends großer Geniestreich hier besteht aber in der Kollaboration mit Anneke van Giersbergen (ehemals The Gathering), ihre immer ein Stück über der Musik schwebende, klare Stimme hebt ohnehin spärisch anmutende Stücke wie „Hyperdrive!“ (das sich im leicht unterlegenen Original auf Townsends letzten Soloalbum „Ziltoid The Omniscient“ findet) noch einmal zwei bis drei Schichten empor.

Überraschenderweise harmoniert van Giersbergens Stimme sowohl mit Townsends, wenn dieser klar singt als auch wenn er etwas gutturaler wird, so entsteht auf „Resolve!“ (man mag es sich an dieser Stelle schon denken, alle Songtitel enden auf ein Ausrufezeichen) ein Schöne-und-das-Biest-Duett, während die beiden sich im weit hallenden Highlight „Supercrush“ zunächst in der gleichen Gesangsrolle abwechseln. In der zweiten Songhälfte baut Townsend über unmutigen Akkorden zunehmend fauchige Spannung auf, während es an den Rändern digital flickert und quietscht, zum finalen Refrain fällt van Giersbergen dann mit antreibenden „Awake!“-Rufen ein, beide Stimmen steigen empor, um schließlich in einem einzigen prächtigen Euphorieball zu gipfeln.

Dieses Gefühl für Spannung, Stimmungsbau und -wechsel beweist Townsend auch bei der gesamten Sequenzierung des Albums, die Stücke wirken nie zu lang, wechseln auch schnell von einem zum nächsten. Nach einem flotten, kompakten Anfang ist die Mitte des Albums entspannter, bevor es zu einem Dreifachfinale ansetzt, das sich gewaschen hat. „The Way Home!“ wäre genau wie „Numbered!“ und „Awake!“ für sich genommen ein feines Schlussstück, dass ihre Wirkung kumulativ ist, macht dieses Ende nur noch befriedigender.

84

Label: InsideOut

Referenzen: Devin Townsend, Nine Inch Nails, Andrew W.K.,  Vangelis, The Gathering, Mad Capsule Markets

Links: Homepage, InsideOut

VÖ: 16.11.09

2 Kommentare zu “Rezension: Devin Townsend Project – Addicted”

  1. genius sagt:

    mal ehrlich: das ist genauso schlimm wie schlumpf-techno. wie könnt ihr nur sowas überhaupt rezensieren??? und dann 84%? aprilscherze zu weihnachten macht man einfach nicht.

  2. Pascal Weiß sagt:

    @genius: Was meinste wie hoch die Bewertung ausgefallen wäre, wenn ich nicht so lange auf ihn eingeredet hätte?;)

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