Real EstateReal Estate

Was für Musik soll man schon machen, wenn die Sommertage geprägt sind von New Jerseys nicht enden wollender Küste, den Stränden und dem speziellen Vibe im Osten des „Garden States“? Die konsequenteste Lösung ist es, das Hitzeflimmern mit Hilfe des Tremolos in ein akustisches Flimmern zu verwandeln. Oder man übersetzt das regelmäßige Rauschen der Brandung in gelassene, repetitive Arrangements. Wenn das auch noch nicht reicht, passt man seine Klangästhetik einfach der des leiernden Tapes aus dem Handschuhfach des alten Mustangs an, mit dem man die verschlungenen Straßen entlang des Meeres erkundet hat.

Real Estate aus Ridgewood bedienen sich all dieser Stilmittel und kreieren so einen absolut unprätentiösen, psychedelischen Lo-Fi-Surfpop, der den Charme alter Super-8-Urlaubsfilme in sich birgt, ohne auch nur eine Sekunde mit den klassischen Beach-Klischees zu langweilen. Frontmann und Sänger Martin Courtney sagt, Real Estate ist mehr als ein Bandname, es die Art, wie sie leben. Ein ziemlich entspanntes Leben muss das sein, wobei die Mischung aus der vorörtlichen Geborgenheit Ridgewoods und der gleichzeitigen Nähe zum Kunst-Schmelztiegel New York natürlich nur vorteilhaft sein kann. Diese geografischen Eckpfeiler spiegeln sich auch im Sound des Quartetts wieder. Folk und (alternative) Country als Basis, aber doch immer noch weird genug, um auf den Bühnen des Big Apple Bestand zu haben. Letzteres dürfte wohl auch nicht zuletzt an Gitarrist Matthew Mondanile liegen, der vielen als Ducktails bekannt sein wird. Die poppigen Tape-Eskapaden des Sonderlings prägen den Klang der Band maßgeblich – vom schrägen Sounddesign bis zum relaxten Gitarrenspiel.

So klingt „Pool Swimmers“ mit seinen durch den Delay-Effekt geschleiften Drums tatsächlich, als würde man die Band nach einem Sprung in das kühle Nass unter Wasser hören. An Effekten wird hier sowieso nicht gespart – Hall, Tremolo, Phaser, am besten alles auf einmal, doch gerade das gibt der Musik seinen verwischten, leicht verspulten Charme. Auch wenn dieses Album perfekt dazu geeignet ist, sich an den kalten Tagen etwas Wärme ins Haus zu holen, sollte man sich im Sommer noch einmal an diese Platte erinnern.

80

Label: Woodsist

Referenzen: Ducktails, Woods, Girls, Best Coast, Kurt Vile, Ganglians, Julian Lynch

Links: Myspace

Vö: 17.11.2009

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