Plattenkritiken


Rezension: OOIOO – Armonico Hewa

Rezension: OOIOO - Armonico Hewa

Wer gerne in Musik schwelgt und sich von ihr in irgendwelche Stimmungen versetzen lassen möchte, dürfte mit OOIOOs mittlerweile sechstem Album „Armonico Hewa“ nichts anfangen können: es ist gänzlich unromantisch, da helfen auch die tribalistisch anmutenden Rhythmen nicht, stetig werden die Ideen durcheinander gewirbelt. Plötzliche Einfälle bekommen soviel Freiraum, dass man mit gutem Recht von einem „tollen“ Album sprechen kann, schließlich folgt gerade die Verrücktheit stets einem konkreten Plan. Hier ist es die Improvisation.

Die Vorliebe der Band für diese ist stets zu spüren, doch auch, wenn die Zügel zuweilen schleifen, kann kaum davon die Rede sein, dass sich die Japanerinnen vergaloppieren würden. Als Beleg hierfür können das catchy „O O I A H“ sowie die Möglichkeit, Stücke auch nach einmaligem Hören wiederzuerkennen, dienen. Dabei trifft man aufgrund polyrhythmischer Patterns dennoch selten auf einen Songverlauf, dem sich sofort nachfolgen ließe, außerdem werden die Texte auf Japanisch vorgetragen. Die recht wahrscheinliche Unkenntnis dieser auf Seiten der HörerInnen ergibt zusammen mit der Vorliebe der Musikerinnen für das Skandieren einzelner Vokale das Bild eines Umgangs mit Sprache, der durch Freude und Übermut geprägt ist. Geradezu schelmisch mutet die Plötzlichkeit an, mit der Silben und Wörter eingeworfen werden, während immer neue Rhythmen hervortreten und die Aufmerksamkeit der ZuhörerInnen durch das plötzliche Aufblitzen kleinster Melodien in Bewegung gehalten wird, ohne dass sich erkennen ließe, wohin die Reise geht. Hierfür ist vermutlich aber auch wieder die Sprachbarriere verantwortlich, übersetzte Lyrics wären Gold wert. Denn so schön es auch ist, sich seiner Verdutzung hinzugeben, würde es doch die Anteilnahme mit Sicherheit steigern, wüsste man, wovon zum Beispiel das geradezu kindliche „Honki Ponki“ handelt.

Letztendlich aber hängt die Bereitschaft, sich auf die physische und nicht abstrahierte Präsenz von Musik einzulassen, einzig von der Liebe zu den Tönen ab, sie erfordert keinerlei Vorkenntnisse und wird mit Freude am Gehörten belohnt, nicht durch das Erkennen eines Sinns. „Armonico Hewa“ ist ein Werk, das fernab von durch Präferenzen bestimmten Kategorien ein buntes und faszinierendes Eigenleben als bewegtes Kaleidoskop führt, hinter dem sich kein Songwriter-Ego erkennen lässt, mit dem man sich identifizieren könnte. Nicht zuletzt deswegen ist es ein sehr erfrischendes Album.

Wertung: 67

Label: Thrill Jockey Records

Referenzen: Nisenenmondai, Ponytail, Micachu and the Shapes, Elfin Saddle, Deerhoof, Battles

Links: Homepage / Myspace

VÖ: 30. 10. 2009

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