JaqeeKokoo Girl

Es ist eigentlich unfair, dass die wirklich guten Sommeralben erst so richtig ans Ohr dringen, wenn dieser schon längst vorbei ist. Vielleicht ist jene Jahreszeit aber auch einfach nur zu kurz, denn es kann  ja schwerlich dem Album ein Strick aus solchen Sachen gedreht werden. Nun kommt also dieses Jahr Jaqee und die legt sich sowieso mächtig ins Zeug, sodass der Griff zur Badehose nicht mehr fern ist.

Die Sonne scheint einfach wunderbar breit und ein schöneres Kompliment kann einer Platte ja kaum gemacht werden. Mit ihrem dritten Album holt sie sich den Reggae mit ins Boot. Dabei ist eine leichtfüßige Stimmung entstanden, sie sich durch die ganze Scheibe zieht. Songs wie „Moonshine“ grooven und drücken sich durch schwere Luft. Probleme werden wie Salz einfach über die Schulter geworfen.

Wieder und wieder tauchen die Bläser auf, geben den Rhythmus vor und lassen die Stücke schick grooven, sodass keine Langeweile aufkommt. „Take it or leave it“ schmollt dann vor sich her, aber ist doch egal, ob den anderen das gefällt oder nicht. Kokoo ist eben mehr als Musik, es hat viel mehr mit Hakuna Matata gemeinsam. Wenn es einem hier nicht gefällt, dann suche das Weite. Etwas besseres als den Tod finden wir überall.  Der Weg führt dann zu den schönsten Kindheitsfantasien wie „Living on the shore“, das auch in jeden Waldorfkindergarten passen würde.

Die Hitze wird förmlich spürbar, wenn sich Jaqees Stimme ins Ohr schmeichelt. „Pink Drunken Elephant“ flunkert sich  mit Bläserhook durch den Oktober. Das ist so unverschämt gut gelaunt, es tut fast schon weh. Den Songs brennt es nicht unter den Nägeln, ganz langsam und auch ein bisschen hinterhältig sind sie. Vollkommen unschuldig gibt sich „Take the train“, das als seichte Badesee-Nummer rum druckst. Vergangene Sommer werden wieder vor dem inneren Ohr aufgezogen, als die Welt noch unerschlossen vor einem lag, die Ferne war das Ziel und ein Versprechen von Selbstverwirklichung lag rum: „Oh Oh Oh, I am gonna pack my bags, I am gonna find me happiness“. Die Welt konnte so einfach sein.

75

Label: Rootdown / Soulfood

Referenzen: Santigold, Asian Dub Foundation, Fugees, Gentleman, Bob Marley

Links: Homepage, myspace

VÖ: 25.09.09

Ein Kommentar zu “Rezension: Jaqee – Kokoo Girl”

  1. shamane sagt:

    habe ich mir nach der laut.de rezi gekauft und kann mit dem autor hier nur zustimmen.. evtl hätte ich noch ein paar prozent mehr gegeben…

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