High WolfIncapulco

So langsam wird es den Dealern im örtlichen Stadtpark zu kalt, um sich für halbwüchsige Kids in „Pelle Pelle“-Jacken die Füße platt zustehen und auch das großzügige Pädagogen-Pärchen von nebenan scheint die alljährliche Flucht Richtung Thailand angetreten zu haben. Nun kann man entweder drauf pfeifen und den Rausch mit einem guten Chardonnay substituieren – oder man schmeißt „Incapulco“ in den CD-Player.

Natürlich sind solche Metaphern reichlich inflationär, doch bei einem Künstler, der seine Stücke „The Sound Of Yoga“ und „Astro Black Ghost,  Speak To Me!“ nennt, darf schon mal zu solch bärtigen Sprachbildern gegriffen werden. Die Aufnahmen dieses französischen Weirdos klingen, als hätte man Indios bei einem schamanistischen Ritual die traditionellen Instrumente entwendet und gegen Synthesizer und Bandmaschinen eingetauscht. Obskure Drones schlingen sich um repetitive Percussion-Loops und entfalten in diesem Zusammenspiel einen lodernden, transzendenten Charakter. Immer wieder mischen sich fuzzige, improvisierte Gitarrensolos unter die meditativen Flächen aus aufeinandergeschichteten Stimmen und Flöten und schlagen so die Brücke zur klassischen Psychedelic-Kultur. Die nebulösen Klangschleifen sind dabei mit so viel Liebe zum Detail produziert, dass man schon genau hinhören muss, um die Melange aus Elektronik und urwüchsigem Instrumentarium  zu dechiffrieren.

Dank dem stark vertretenen oberen Frequenzspektrum, hüllt „High Wolf“ seinen Sound nicht komplett in den üblichen Lo-Fi-Schleier,  sondern hält eine gute Balance aus Transparenz und Schmutz. So überzeugt diese exotische Jam-Session trotz einiger Längen mit einer guten Portion Ironie und jeder Menge ausgefallener Ideen.

75

Label: Winged Sun

Referenzen: Sun Araw, James Ferraro, Pocahaunted, El Guincho, Wet Hair, The Skaters, Black Dice

Links: Myspace Winged Sun

Vö: 08.09.2009

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