YachtSee Mystery Lights

Schließen Sie bitte aus den unten folgenden Worten, es würde eine verspielte Renaissance des Okkulten anstehen. Sollten Sie nun entgegnen wollen, es handle sich dabei um eine dreiste Forderung und haltlose Prophezeiung, dann haben Sie mir einen großen Gefallen getan und dieser Einleitung einen Sinn verliehen.

Denn auch um Prophezeiungen geht es auf Yachts Album „See Mystery Lights“, zum Beispiel die Gewissheit eines „Afterlife“s oder den Triumph des freien Willens, der den Menschen überall leben lassen kann – auch in der Wüste. Er muß sich nur entscheiden und braucht sich daher keineswegs von Eintönigkeit plagen lassen („It’s Boring / You Can Live Anywere You Want“). Es ist schwer, hierin oder auch in der Feststellung, es gäbe weder Himmel noch Hölle („Ring The Bell“) große Botschaften zu sehen, all das klingt ein wenig wie aus dem Binsendickicht heraus gerufen.
Dafür, dass Yachts Songs jedoch weit über dieses und seine GärtnerInnen hinausragen, ist in erster Linie die Musik verantwortlich, eine krautige und packende Mischung aus Elektronik von Kraftwerk bis hin zu Dance, massenhaft perkussiven Elementen und lakonischem Gesang, umrahmt von wunderbaren Chören, die sich gerne wie aus dem Schoß der Kirche in die Freiheit gelockt gebärden. An den Stimmen wie auch allen anderen Sounds wird häufig fernab von Effekthascherei und ohne die catchy Melodien zu verdrängen geschraubt, Freude an Musik und Bewegung überstrahlt alles, vielleicht sogar zum Glück die bereits erwähnten, mantraartig vorgetragenen Texte. Zur Erforschung der dahinter zu vermutenden Intentionen Yachts sollte man sich ruhig einmal auf der Homepage des in Texas ansässigen Duos umschauen. Dort trifft man auf ein wunderbar nichtssagend-verschwommenes, mit feiner Symbolik (Dreieck, Augen, Anker) garniertes Manifest, die „Anthem of the Trinity“ sowie eine paranormale Entstehungsgeschichte des Albums, das dort auch in einer Instrumentalversion als kostenloser Download erhältlich ist.
Natürlich ist ein Durcharbeiten all dessen nicht notwendig, um eine Zuneigung zu Stücken wie dem „Summersong“ zu fassen, ein wenig hilfreich ist es schon. Lassen Sie sich jedoch nicht gänzlich durch die unterhaltsame Selbstdarstellung vereinnahmen, denn Jona Bechtolt und Claire L. Evans machen nicht nur hedonistische Musik, sondern sind auch noch herrlich narzisstisch. Wie und ob man sich darüber begeistert zeigen mag, sei jedeR selbst überlassen, fehlendes Understatement ohne übermäßige Coolness im Zusammenhang mit geschickten Zitaten machen hier auf jeden Fall eines der besten Tanzalben des Jahres und eine musikalische Empfehlung, mal wieder R. A. Wilson zu lesen.

77

Label: DFA

Referenzen: Fol Chen, The Blow, Architecture in Helsinki, LCD Soundsystem, Hot Chip

Links: Homepage, Myspace

VÖ: 25.09.2009

3 Kommentare zu “Rezension: Yacht – See Mystery Lights”

  1. Ein wenig mehr zu Yacht und dem Projekt The Blow, dessen Mitglied Bechtolt einmal war: http://tep.blogsport.de/?p=118

  2. dominik sagt:

    wer zu „Psychic City (Voodoo City)“ nicht tanzt dem ist nicht mehr zu helfen ;)

  3. mhm… bei mir ist das eher beim „summer song“ der fall, oder aber „it’s boring / …“ .

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