Frauen brechen Herzen. Nicht ohne Grund gibt es so viele Singer/Songwriter, deren Liebe fortan am innigstem zu einem vorgeschulterten Stück Holz besteht. Bei den meisten dauert der Verarbeitungsprozess so lange an, bis jegliche Erinnerungen gelöscht sind – und bis dahin wird sich majestätisch im Selbstmitleid gewälzt und tieftraurig die Saite gezupft. Und zwischendurch zum Taschentuch gegriffen. Manchmal tun sie sich zu zweit zusammen. Geteiltes Leid, ihr wisst schon… Aber wenn man so schicke Indiefrisuren wie Eirik Glambek Bøe und Erlend Øye hat und so sympathisch zerbrechlich wirkt, dann stehen die Mädels Schlange und der Grund für Niedergeschlagenheit fliegt davon wie eine weiße Hoffnungstaube. Man mag es ihnen nicht verdenken – weder den Mädels, noch den Barden.

Anstatt aber jetzt jauchzende Jubelarien zu schreiben, denken Simon und Garfunkel..äh..Eirik und Erlend viel nach, reflektieren ihre Seelenspiele und stecken ihre Sehnsüchte, Wünsche und kleinen Zweifel in ihre poetische Arbeit, die eigentlich nicht viel mehr ist als ein Offenbarungseid der Gefühle. „Waiting for someone like you to come along, maybe it was me that me that made you old“, heißt es da. Ja, die Gefühlsduseligkeiten gehen schon mal mit den Norwegern durch. Auf dreizehn Songs.

Befindlichkeiten und Kalkül erstrecken sich hier auf Albumdistanz, ein tagebuchvolles Album mit Geschichten, die auch jeder von uns irgendwie kennt und die romantische, tagebuchschreibende Herzen berühren. Darin liegt der Schlüssel zum Erfolg, denn die Kings Of Convenience sind generationsübergreifend plausibel. Als Nebenbei, damit sich das Croissant zum Frühstück quasi von alleine schmiert, als launiger First-Date-Garant, als Mutmacher, die die eigene Schüchternheit verstehen.  Und eignen sich, selbstredend, dank der ankuschelnden Sehnsucht prima sowohl bei blutenden Herzensangelegenheiten und geigenvollen Himmeln. Denn diese vertonte Liebeslyrik ist sowohl voller Hoffnungsschimmer als auch triefend vor Melancholie. Und auch das jederzeit Liebevolle gerät zur Entspannungsgarantie für gestresste Hausmütterchen. Herrje, und „Declaration Of Dependence“ ist wieder so wunderschön einfach! Immer reduziert auf die Akustischen, die locker gezupft werden und sich umspielen wie ein gelungener Zungenkuss: Nie plump forsch, sondern neckisch und gefühlvoll, dass die Frauen gleich reihenweise untenrum aufknospen.

Die Songs ziehen sanftfühlig vorüber. Mal etwas eingängiger wie das herrliche „Boat Behind“ oder das wehmühtige „Mrs. Cold“, mal etwas schlichter (der Rest). Aber was waren auch die Erwartungshaltungen? Viele werden aufatmen, dass die musikalischen Koordinaten nicht verschoben wurden: Quiet ist immer noch the new loud und dieses Rezept wurde nicht einmal ansatzweise variiert. Aber reicht neuerlicher Verzicht auf Effekthascherei und die Tradition des reduzierten Klangbildes für ein neues Album? Ein Koffer voll mit tastenden und erledigten Sehnsüchten, ein Sack voll lässig-unkomplizierter Melodien, eine elegante Distanz – die meisten werden mit diesem Werk die Kuscheldecke  etwas weiter hoch ziehen und ihren Chai-Tee genießen. Jedoch sind die permanent gefühlsaffektierenden Flauschstimmen dieses Mal nicht in der Lage, die Beliebigkeit des Songwritings zu kaschieren. Aber was zählt das schon in der Welt der rosaroten Träumerei?

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Label: Virgin / EMI

Referenzen: Simon & Garfunkel, José González, Iron & Wine, Turin Brakes, Cat Stevens, Feist

Links: Homepage, Myspace

: 25.09.2009

Ein Kommentar zu “Rezension: Kings Of Convenience – Declaration Of Dependence”

  1. Sven sagt:

    Find sie eigentlich wieder schön, an den Melodien gibt’s doch eigentlich wenig zu mäkeln. Ist halt eher zweckmäßige Musik. Und den Zweck erfüllt sie absolut.

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