Dass fortschreitendes Alter und aktive Tätigkeit in der Clubkultur nicht zwingend konträr laufen müssen, sollte nach zwanzig Jahren Techno klar sein. Stefan Brügesch, mittlerweile jenseits der Dreißig, meldet sich nach längerer Auszeit mit einem neuen Longplayer zurück und beweist mit diesem, dass er trotz 18 Jahren House-Business längst noch nicht zur alten Garde zählt. Die Beständigkeit seiner Labels Poker Flat und Dessous dürften als Garant für das richtige Gespür ausreichen, feierte er doch vor kurzem zehnjähriges Jubiläum mit seinen Dancefloor-Schmieden.

Auf „Collaboratory“, was seinen Namen den für ein Clubalbum zahlreichen Features verdankt, bleibt er seiner Linie konsequent treu und feilt weiterhin an der Perfektion seines Trademark-Sounds. Der Zeitpunkt für sein Comeback hätte nicht besser ausfallen können: Mit seiner reduzierten Spielart des Deephouse dürfte der in Berlin ansässige Produzent genau den Puls der Zeit treffen. Sein kompakter Funk zielt nicht auf die große Abfahrt, sondern überzeugt mit sublimem Groove und einer Tiefenstaffelung, in die man einfach nur abtauchen möchte. Deepness statt Peaktime. Steve Bug überfrachtet seinen Sound nicht mit unnötiger Bagage, sondern schmückt ihn dezent mit feinen Ornamenten aus. Das lässt Raum und eignet sich deshalb hervorragend für die bevorstehende Festival- und Open-Air-Saison. Auch die geschmeidigen Vocal-Beiträge von Cassy, Gigi und Virginia können sich hören lassen und umgehen gekonnt die Gefahr in seichten House-Kitsch umzuschlagen. Auf „Passing Clouds“ zeichnet Bug mit seinem Labelkollegen Simon Flower durch kafkaesk anmutende Paranoia einen wichtigen Kontrast, gefolgt von den erhaben schwebenden Flächen auf „Still Music“, das in Kollaboration mit Donnacha Costello entstanden ist.

Steve Bug arbeitet mit seiner reduzierten Herangehensweise das zentrale Motiv der House-Musik, die Entfaltung einer gewissen Transzendenz, punktuell heraus. Dank seiner langjährigen Erfahrung tappt er dabei nicht in die zahlreichen Klischee-Fallen, die ein solches Vorhaben birgt. Musik wird hier langfristig gedacht und nicht Aufmerksamkeit heischenden Impulsen oder vorherrschenden Dogmen unterworfen.

80

Label: Poker Flat

Spieldauer: 67:33

Referenzen: Sasse, Simon Flower, Martin Landsky, Märtini Brös, Håkan Lidbo

Links: Myspace Poker Flat

Vö: 08.06.09

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