disciplinesEine abgehalfterte Popband aus Norwegen (Briskeby) trifft sich mit einem abgehalfterten Rocker aus den USA (Ken Stringfellow, The Posies) . Das klingt schon auf dem Papier nach einer Verzweiflungstat – wie damals, als sich Sum41 und Iggi Pop gegenseitig zum Gipfeltreffen einluden. Doch diese Gipfel sind nicht mehr die 8000er des Himalayas, sondern maximal von der Größenkategorie des Harzer Brockens. Und auch das nur, weil tief im Gedächtnis etwas aus der Vergangenheit mitschwingt, was an bessere Zeiten gemahnt, die zwar verblasst, aber noch nicht ganz vergessen sind. Die ganze Erbarmungslosigkeit des Musikgeschäftes offenbart sich in solchen Momenten

Nun also The Disciplines. Männer, die ihre musikalischen Visionen mit dem Anstecken der Eheringe abgelegt haben. Männer mit Kindern, die selbst schon fast erwachsen sind. Männer, denen man das Rocken nicht mehr abnimmt. Ein letzter Versuch, ein musikalisches Röcheln zwischen bemühter Popmusik und altgewordenem Radiorock – möchte man zumindest meinen. Der Auftakt ihrer neuen Platte „Smoking Kills“ überrascht umso mehr.

Groovig, gar mit Ansätzen von Biestrigkeit in den Vocals kommt „Your For The Taking“ daher und erinnert an die Rock/Pop-Melange aus den seligen 60ern. Schnöde, abgefuckt und überlegener als man diesen altgedienten Musikern zutraut. Auch „Wrong Lane“ und „Get It Right“ hätten in der Garagenrock-Revivalperiode vor ein paar Jahren (erinnert sich noch jemand?) hervorragend ins Regal gepasst. Das schnodderige „Best Mistake“ hätten die Kilians auch gerne auf ihrer doch sehr mediokren Platte gehabt – melodisch, gezackt und doch handzahm. Eben die richtige Mischung aus Hit, Bekanntem und ohne Anbiederung. Dass es gerade das einlullend öde „Oslo“ in Norwegen in die Airplaycharts geschafft hat – geschenkt.

Natürlich, im aktuellen Popdiskurs hat diese Band nichts zu melden, ist mehrfach vom aktuellen Geschehen abgehängt, jedoch gelingt das Kunststück gradlinig und mit zeitlosen Songs zu unterhalten. Hier gibt es keinen doppelten Boden, keine versteckte Tiefgründigkeit, nicht einmal eine neue Idee – und doch ist die erste Albumhälfte kurzweilige und jugendlich anmutende Automusik, bevor sich dann doch mit längerer Spielzeit in Gefälligkeit und stures Mittelmaß zurückgelehnt wird. Das ist aber immer noch mehr, als man von derlei Kooperationen bisher gewohnt war. Fast schon schwer okay.

„Smoking Kills“ ist am 29.05.2009 in Deutschland erschienen

Link: The Disciplines, myspace

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