Plattenkritiken


Review: Phoenix – Wolfgang Amadeus Phoenix

phoenix(Fast) immer alles richtig machen

Nein, viel schief gehen konnte da wirklich nicht. Seitdem Phoenix damals, vor jetzt schon fast zehn Jahren, mit „United“ diese unglaubliche Konfetti-Kanone von einem Album veröffentlichten, die in keine der damaligen und heutigen Hypes und Kategorisierungen so wirklich passen wollte und mit „If I Ever Feel Better“ und „Too Young“ zwei unsterbliche Hits hinterließ, scheinen die vier Franzosen irgendein Patentrezept gefunden zu haben, das sie auf dem Lieblingspopbandthron so manche Rock-, Wave-, oder auch Rave-Welle scheinbar unbeeindruckt aussitzen ließ. Die beiden nachfolgenden Alben, das homogene und vielleicht etwas zu perfektionistische „Alphabetical“ und dessen mit Sandpapier leicht angerauhte Post-Strokes-Variante „It’s Never Been Like That“ standen zwar etwas im Schatten des übermächtigen Debüts, die meistgehörten für jeweils einen Sommer waren beide jedoch trotzdem.

Nun also „Wolfgang Amadeus Phoenix“. Schon der Titel, bei dem die Hives sich in die frisch polierten Lackschuhe beißen dürften, da nicht selbst drauf gekommen zu sein, bläst laut und deutlich zur Rückkehr gen großem Pomp. Und auch der Produzent, Phillipe Zdar, ist ein alter Bekannter aus „United“-Tagen. Das endgültige Ende der Zurückhaltung? Tatsächlich beginnt das Album, wie es sich für seinen größenwahnsinnigen Titel gehört – mit einem Tusch. „Lisztomania“ ist ein waschechter Phoenix-Hit, der sich in seiner leichtfüßigen Gitarrigkeit zunächst irgendwo zwischen allen drei Vorgängeralben einordnet, am Ende dann aber doch ein herzhaftes „Time to show it up“ aus dem den großen Popwunderkasten zaubert. „1901“ (das Jahr der Weltaustellung in Paris) geht dann noch einen Schritt weiter und greift mit seinen brummenden Synthesizern und opulentem „HeyHeyHey“-Refrain nur nach den allerhöchsten Sternen. Ein perfekter Popsong und Einstieg in das knallbunte Feuerwerk, welches da noch folgen soll…

Doch Halt! Leider nicht so ganz. Nach dem entspannteren aber immer noch wunderbaren „Fences“ stoppt der aufgenommene Fluss plötzlich und Phoenix verlieren sich in „Love Like A Sunset“, einem dieser unnötigen Verlegenheitsinstrumentals, die schon immer zu ihren Schwachstellen gehörten. Der Rest des Albums ist dann zwar wirklich so bunt und abwechslungsreich wie erhofft. Indie-Pop, Steely Dan, und Roxy Music feiern hier zusammen mit New Wave, Toto und French House ausschweifende Partys in barocken Ballsälen. Die Klasse des Eröffnungstrios wird aber nicht immer erreicht. So strahlt das sich gen Himmel steigernde „Countdown“ mitsamt des toll treibenden Schlagzeugs und gesamten in die fette Produktion eingebetteten Traras nochmal als zwar nicht einsames aber doch ziemlich eindeutiges Highlight dieser zweiten Hälfte ,bevor die ganze Zeremonie nach einer etwas mageren Auslese von nur neun Tracks schließlich zu Ende geht. Ob „Wolfgang Amadeus Phoenix“ jetzt wirklich ihr bestes Album seit „United“ geworden ist, ist eigentlich vollkommen egal. Fest steht jedenfalls: Ein Phoenix-Album, das ist definitiv dabei rausgekommen und falsch machen können die ja bekanntlich eh nicht viel.

7.7 / 10

Label: V2 / Cooperative

Referenzen: Phoenix anno 2000, Louis XIV (nicht die Band), Roxy Music, Marie Antoinette, Steely Dan, Der Eiffelturm, Daft Punk, The Whitest Boy Alive

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 22.05.2009


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2 Kommentare zu “Review: Phoenix – Wolfgang Amadeus Phoenix”

  1. Lydia sagt:

    Gute Rezension. Gefällt ;)

  2. [...] rückt. Independent hat nur ein Randkategorien eine Chance, man muss 2010 froh sein, dass Phoenix wenigstens den Alternative-Award mit nach Hause nehmen dürfen und nicht Depeche Mode (!). Die [...]

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