Plattenkritiken


Review: Silversun Pickups – Swoon

sspu-swoonWir zählen gerne noch einmal vor: 1. Hervorragendes Songwriting. 2. Hymnenhafte Melodien. 3. Kreisende Gitarren. 4. Stimmliche Eigenart. 5. Prägnante Produktion auf dem Grad zwischen Untergrund und Mainstream. Fünf Gründe, warum es der Vorgänger „Carnavas“ der kalifornischen Rockband eigentlich hätte schaffen müssen, mehr als nur im Vorprogramm vor den mediokren Kaiser Chiefs eingesetzt zu werden.

Auf „Swoon“ verfestigen sie ihren Stil, die Songs gewinnen durch eine hervorragende Stadionrock-Produktion sogar an innerer Dichte (wann darf man sowas mal sagen!), zumal die Bombast-Elemente oftmals behutsam und gekonnt eingesetzt werden. In einer Zeit, in der Rockmusik oft scheitert aktuell zu klingen, haben sie ihren Weg gefunden, den 90er Jahre Rock ins Jetzt zu ziehen, was, da die Smashing Pumpkins von der Bedeutungslosigkeit einfach aufgegessen wurden, ein durchaus legitimer Ansatz ist. Silversun Pickups präsentieren zehn Lieder voll druckvoller Gitarren, rasselndem Drumming und fast schwerelosen Melodien in einer Balance, die selbst Hardcore-Feng Shui-Anhänger kreidebleich erstarren lässt.

Alles also beim Alten bei den Silversun Pickups – stellten auch die Kollegen von pitchforkmedia fest: „Swoon“ klingt wie das Debüt minus kehlige Ausbrüche plus Geigenschmonz. Wobei die Geigen sich nur manchmal in eigener Ergriffenheit zeigen, wie bei der dennoch (oder gerade deswegen?) freundlichen Powerballade „Catch & Release“. Oftmals, wie beim besten Song „The Royal We“, steigern die Fideln songauswärts sogar Dramatik und sorgen mit spritzigem Einsatz für gekonnt in Szene gesetze Hinhörer. Davon gibt es bei allem faltenfreien Rumgerocke leider etwas zu wenige. Über weite Strecken regiert sämige Gleichförmigkeit, die bei aller Wiedererkennbarkeit des Bandsounds zu einer “Ununterscheidbarkeit” unter den Songs führt. Selbst die geschmeidigen Melodiebögen liegen wie in einer einzigen Passform im instrumentalen Untersatz. Stimmig, gefällig und irgendwie auch immer sehr angenehm, weil zwischen verwaschenem Gitarrenklang und nebeligem Feedback ein Wohlfühlvakuum herrscht – auch wenn Frontmann Brian Aubert die kleinen Ungerechtigkeiten besingt. Es ist fast mysteriös.

Ebenso muss man mit einem eindeutigen Urteil über diese Platte scheitern. Nach mehrmaligem Hören schälen sich die Highlights aus dem Wust an Atmosphäre: Neben dem benannten „The Royal We“ sind es noch „Sort Of“ und der Schlusstrack „Surrounded“, wobei das Niveau mit überdurchschnittlicher Konstanz aufwartet und das (oftmals vergebliche) Warten auf den nächsten Bruch, die nächste Überraschung oder etwas gewalttätigeres Agieren verzuckert. Man wünscht sich neben etwas bedeutsameren Texten fürs nächste Album ein Anschwellen des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten und vor allem Mut zur Abwechslung. Schluss mit abgerundeten Kanten! Es darf ruhig ein bisschen Blut fließen.

6.7 / 10

Label:Dangerbird

Referenzen: Smashing Pumpkins, Pinback, Secret Machines, Modest Mouse, Built To Spill

Spieldauer: 51:37 Min

Links: MySpace, Homepage

VÖ: 29.05.2009

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