Plattenkritiken


Review: A Hawk And A Hacksaw – Délivrance

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Da war dann dieser Jungspund namens Zach Condon alias Beirut und Balkan-Pop war fortan wieder fest im Rahmen der aktuellen Popkultur verankert. Mit einer sonnengegerbten Patina und einer gelebten Authentizität marschierte man quer über Kontinente – immer auf der Suchen nach dem besonderen folkloristischen Sound, nach der der lokalen Eigenheit, die in unserer kulturimperialistisch gleichge- schalteten Welt droht, verloren zu gehen. Entsprechend wirkt diese Musik auch wie ein Appell an das größere Publikum: Bewahrt die musikalischen Traditionen!

Auch A Hawk And A Hacksaw verfolgen diesen Ansatz, spüren weltmusikalische Wurzeln auf und waren für ihr viertes Album auf einer Route zwischen Deutschland und der Türkei, zwischen Balkan und ihrer amerikanischen Heimat in New Mexico unterwegs. Alles wurde aufgesogen, eingeatmet und aufgenommen. Das Duo musiziert mit jüdischen Klezmern und alten mundfaulen Männern, streicht durch osttürkische Landschaften, tanzt Paprika-Polka und ruft den wilden, Kasatschok tanzenden Kosaken in sich wach.

Immer im Anschlag ihre wilden Instrumente, die eine Wachheit ausstrahlen, dass es einfach Spaß macht, ihnen zuzuhören. Zugegeben, wer sich überhaupt nicht auf musikalisches Treibgut aus östlich-europäischen Regionen einlassen mag, der braucht hier gar nicht erst weiterzulesen. Alle anderen finden einen sehr konsequenten und herrlich ironiefreien Entwurf vor, der immer noch einen Schritt weitergeht, wenn der Kollege von Beirut zu amerikanischem Indie abdriftet. Nur ganz nebenbei sei erwähnt, dass Jeremy Barnes von A Hawk And A Hacksaw in der Beirut-Backingband aushilft – und auch bei den großartigen Neutral Milk Hotel am Schlagwerk saß, wobei letztere nicht oft als Referenzpunkt dienen. Live sind sie zu sechst, das Album haben sie mit befreundeten Musikern eingespielt – ein Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung in einem musikalischen Sektor, der von Originalität und Authentizität lebt. A Hawk And A Hacksaw sind angekommen in der Welt.

Auf „Délivrance“ wird gewirbelt. Mit Ukulele, Klarinette, Mandoline und Schifferklavier, nur noch dominiert von Geige und Akkordeon. Die meist instrumentalen Tracks verbinden dabei die schmachtend-larmoyanten Selbstbemitleidung der südosteuropäischen Folklore mit glühendem Enthusiasmus und der Freude über das gesellige Zusammensein, die nicht unbedingt immer einen Grund zum Feiern braucht. Der Polka-Opener „Foni Tu Argile“ schäumt nur so vor stolzem Temperament, „Kertesz“ hingegen ist nervöser, aber vielschichtiger. Das verspielte „A Raggle Taggle“ erinnert mit seiner leichtfüßigen Ergriffenheit an die Untermalung von Bar-Tanzszenen in Historienfilmen, die ein sinnliches Erleben dieser im Popkosmos immer noch nicht weit verbreiteten Kompositionen ermöglichen, die sich vor Umschwüngen und songimmanenten Entwicklungen kaum retten können. „Lassu“ offenbart zudem die Vielseitigkeit von „Délivrance“ – ein kleiner, übersteuerter Melodiebogen mit konzentrierter Sehnsucht, der auffällig aus der musikalischen Hüpfburg ringsum heraussticht.

7.3 / 10

Label: Leaf

Spieldauer: 37:41 Min

Referenzen: Beirut, Neutral Milk Hotel, DeVotchKa, Black Ox Orchestra, Alaska In Winter

Links: Website, myspace, Album-Stream

VÖ: 22.05.2009


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