Plattenkritiken


Review: Peaches – I Feel Cream

73695She’s back. Nachdem ihr bahnbrechendes und für immer unerreichtes Debüt „The Teaches Of Peaches“ anno 2000 den Startschuss sowie Blueprint für ein über diesem Jahrzehnt wie ein Fluch liegendes Genre namens Electroclash gab und seitdem bis zum Erbrechen oft und zumeist (leider auch von ihr selbst) so viel schlechter kopiert wurde, ist sich Merryl Nisker alias Peaches dieses Dilemmas wohl bewusst geworden und wagt sich nun an eine musikalische Neujustierung ihres natürlich immer noch schweinecoolen Alter Egos.

Schon das erstaunlich haarfreie, dafür aber umso glamourösere Cover deutet es an, sie vertraut auf ihrem neuen Album „I Feel Cream“ nun nicht mehr allein auf die Kraft der guten alten Roland TR-808 und ihres langjährigen Weggefährten Gonzales, sondern hat sich ihren Sound von einschlägigen Dancefloor-Hooligans der Marke Soulwax, Digitalism und Simian Mobile Disco ordentlich aufpolieren lassen. Das Ergebnis darf sich durchaus als „fett“ bezeichnen lassen und könnte somit, die richtige Lautstärke einmal vorausgesetzt, neben dem örtlichen Swingerclub auch so mancher Großraumdisse den nötigen Kick Frivolität verleihen. Während der erste Track „Serpentine“ noch dem üblichen Peaches-Minimalimus in leicht abgeänderter Form frönt, legt das darauffolgende „Talk To Me“ dann richtig los. Dass an Frau Merryl Nisker so etwas wie eine Soulröhre verloren gegangen sein könnte, hätte man vor diesem in bester 70s Discofever-Tradition agierenden Hookline jedenfalls nicht zu träumen gewagt. Noch größer ist das Erstaunen allerdings bei Song Nr. 3, „Lose You“, auch hier wird wieder gesungen und zwar dermaßen sweet und leichtfüßelnd, dass man mit Fug und Recht behaupten könnte, Peaches sei endgültig auf der guten Seite des Hochglanzpop angekommen. Aus der letzten Britney Spears-Platte wäre die erste richtige Ballade ihrer Karriere jedenfalls höchstens qualitativ herausgestochen. „Billionaire“ feat. Shunda K. ist desweiteren amtlicher Party-Hip Hop in dem auch endlich wieder von Vaginas die Rede sein darf und der Titeltrack markiert dann den endgültigen Abräumer für die Tribal verziehrten GTI-Fahrer in der Autobahndisco. Das gewisse Quäntchen Cheesiness gehört halt auch immer dazu.

Nach dieser ungemein erfrischenden ersten Hälfte lässt „I Feel Cream“ dann allerdings etwas bis teilweise stark nach und gestaltet sich wie in „Relax“ sogar weitgehend überflüssig. Die schöne Zeile „Baby, don’t you stress. I’m gonna fill your Mommy Complex” nehmen wir zwar gerne noch mit, aber viel lieber denken wir jetzt daran, dass das Phänomen Peaches ja auch zum Großteil über ihre unglaublichen Bühnen-Performances funktioniert und erfreuen uns weiterhin daran, dass die Frau es wie kaum eine zweite schafft, Typen wie Snoop „Beat that Bitch with a Brat“ Dogg diese geile Portion weiblichen Hedonismus entgegenzusetzen. Also: Tiefe Verbeugung vor dem schwingenden Umschnalldildo und eine ähnlich gut funktionierende Frischzellenkur dann bitte auch beim nächsten Missy Elliott-Album.

7.0 / 10

Label: XL / Beggars / Indigo

Referenzen: Peaches herself, Miss Kittin, Uffie, Simian Mobile Disco

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 02.05.2009

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