SndAtavism

snd - atavism

Addition und Subtraktion: Snd generieren auf ihrem vierten Album ein wahres Schaulaufen mathematischer Operationen, bei denen man sich letztlich nur noch fragt, wie die beiden Briten das Midikabel in den Casio Taschenrechner bekommen haben. In Sachen Präzision und Logik steht das Werk des 1998 in Sheffield gegründeten Duos einem solchen in nichts nach. Dabei wird nicht nur mit ganzen Zahlen hantiert, Kettenbrüche und Primzahlen scheinen ganz selbstverständlich zum Repertoire des Duos zu gehören.

Snd – kurz für das Appleformat „Sound“ – kreieren aus einem ganzen Baukasten von Rhythmus-Mustern schimmernde, digitale Mosaike. Diese setzen sich aus verschobenen und überlagerten Patterns zusammen, welche durch konsequente Repetition ein völlig eigenes Groove-Verständnis entwickeln. Die Muster werden dabei über die Grenzen der Titellängen hinaus getragen und durchlaufen verschiedene Kompressionsstadien. Wer bei „Verschiebung“ an „Shuffle“ und „Human-Touch“ denkt, liegt allerdings gänzlich daneben. Bei Mark Fell und Mat Steel liegt jeder Klick dort wo er hingehört. Tonfolgen im Sinne einer Melodie werden nur sehr spärlich eingestreut, schimmert jedoch mal eine der glatt polierten Flächen durch, entfaltet sich eine Dimension mit der man bei all dem Minimalismus nicht unbedingt rechnet. Viel Zeit zum Genießen bleibt einem allerdings nicht, denn die Schaltkreise werden ständig aufs Neue verkabelt. Ein Forscher kann sich schließlich nicht auf Zwischenergebnissen ausruhen. Anfangs funktionslos im Raum schwebende Klangbausteine erhalten durch Überlagerung plötzlich eine Destination, wozu diese letztendlich führt bleibt jedoch offen.

Musik, die sich trotz zwischenzeitlicher Eingängigkeit gewissen Funktionen ebenso verweigert wie den Konventionen herkömmlicher Elektronikkost, dazu ein Sound, der seine Herkunft in keiner Sekunde verleumdet, sondern sich aus den Tiefen der digitalen Klangerzeugung speist und moderner Effekthascherei eine Absage erteilt.

8.0 / 10

Label: Raster-Noton

Referenzen: Atom TM, Sutekh, Farben, Jan Jelinek, Autechre, Vladislav Delay

Spieldauer: 62:09

Links: Official

VÖ: 15.05.2009

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