djvadimMan muss nicht alles neu machen. Manchmal reicht es, wenn man es einfach besser macht. Entsprechend ehrgeizig ging DJ Vadim ans Werk und spielt auf seinem neuen Solowerk den Routine-Trumpf aus. All seine Souveränität, seine angesammelten Kontakte und seine Vorlieben für alle Spielarten urbaner Musik stecken in diesem Werk, das im Bewusstsein eingespielt wurde, dass es das letzte sein könnte: Eine Krebserkrankung verdunkelte 2008 das Leben des russischen Beatbastlers, der, inzwischen genesen, überraschenderweise gewohnt locker und sprunghaft agiert.

Im Gegensatz zum Vorgänger wurden die Experimente durch eher klassische Ansätze ersetzt, die dieses Album eine gewisse Zeitlosigkeit atmen lassen. Oft entspannt, manchmal rasant, aber immer markant werden hier die Schnittstellen von Reggae, HipHop, Soul und Funk verknüpft und spielerisch in die Sonne gelockt. Die Single „Soldier“ entert das Album fast rootig, bricht aber schnell mit tiefergelegten Bässen zur Jetztzeit über – und bleibt auch über die volle Distanz im Aktuellen. „That Lite“ gerät auf dem Drahtseil zwischen HipHop und Soul schlendernd zu einem frühen Höhepunkt – und guckt dabei gen Abgrund in die Fratze des Lebens.

Überhaupt: Das Leben, die Liebe und die Freundschaften stehen dabei immer vor der Arbeit, den Problemen, der Generalkritik. Selbst belanglose Themen flockig und wenig nervend abzuhandeln, schafft „You Are Mine“ – und viele andere Tracks stehen diesem Song in seiner gechillten Positivität in nichts nach. Nur einige zu sehr im kuschelig gepolsterten, sinnlich-weiblichen 90s-Soul verhaftete Tracks wie „I Want To Shout Out“ hätten ruhig Kürzungen zum Opfer fallen dürfen…

Aufgepumpt mit diversen Spielereien (Orgeln, Handclaps, Scratches, Synthies) ist der abwechslungsreiche Charakter Segen und Fluch zugleich: Die Vielseitigkeit der Gaststimmen (er ist eher so der Kumpeltyp und lässt jeden mal ran: Big Red, 5Nizza, Juice Lee, Rjay, Sabira Jade, Heidi Vogel, Pugz Atomz, Kathrin deBoer, Governor Tiggy, Yarah Bravo, La Methode, Wes Restless, Sunny und Kwasi Asante) und Stile wirkt dabei nicht immer stimmig, verharrt im Bruchstückhaften. Gleichzeitig sind sie Ausdruck eines eng gesponnenen Feature- und Kommunikationsnetzes innerhalb der World/Beat/Karibik-Szene und ein Abbild von Lebensart. Die Offenheit des Denkens und des Handelns wird gleichgesetzt, so dass dabei unter dem Strich ein befreiendes und jederzeit unterhaltsames Werk herausspringt.

7.0 / 10

Label: BBE

Referenzen: Jah, One Self, Roots Manuva, Kelis, DJ Shadow, Looptroop

Links: DJ Vadim, MySpace

VÖ: 08.05.2009

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