Plattenkritiken


Review: mewithoutYou – It’s All Crazy! It’s All False! It’s All A Dream! it’s allright

<strong>Review:</strong> mewithoutYou - It's All Crazy! It's All False! It's All A Dream! it's allright

Schon nach den ersten 60 Sekunden Klang deutete sich an, dass sich dort etwas Bleibendes entfalten würde. Etwas, das einem mehrere Male überholten Genre neuen Wind in den Rücken blasen könnte.

„Tell all the stones, we’re gonna make a building.  We’ll cut into shape & set into place or you’d rather be a window, I’ll gladly be the frame reflecting any kind of words. We’ll let in all the blame.“

Das Zweitwerk “Catch For Us The Foxes“ dieser Band aus Pennsylvania bot 2004 eine neue, energiegeladene, poetische und so ehrliche Form eines Genres, dem spätestens nach At the Drive-In und Refused niemand mehr eine unverbrauchte Idee zugetraut hätte. Donnernde Schlagzeugarbeit, brüllende Toms, mal rhytmisch akzentuierte, mal schimmernde Gitarren und stets Aaron Weiss’ desperater Sprechgesang, der in feinfühliger Wortgewandtheit jedem Stück eine verwunschene Note Poesie verlieh. Auch der famose Nachfolger “Brother, Sister“ scheute sich nicht, den Schritt in die dinosauriergleichen Fußabdrücke, die sich vor ihm erstreckten, zu wagen, überraschte sogar mit neuer Tendenz zum beruhigten Klang und folkloristischem Instrument. Im Jahre 2009 sind mewithoutYou innerhalb unserer Landesgrenzen noch immer weitgehend unbekannt und verirren sich nur vereinzelt für ihre losgelösten Auftritte über den weiten Atlantik. “It’s all crazy! it’s all false! it’s all a dream! it’s allright“. Der Schönklang im Titel des vierten , und laut eigenen Aussagen auch vorerst letzten, Streiches der Band um die Gebrüder Weiss bleibt kein leeres Versprechen. “Post-Hardcore” ist nicht länger ein Begriff für das Schaffen des Quintetts. Was sich auf “Brother, Sister“ schon schüchtern ankündigte, erfährt nun seine Vollendung. Ein ausgelassenes Hippietum, die Liebe an das Leben, die Natur und – das sollte auch überzeugte Agnostiker nicht abschrecken – die Liebe an Gott.

Unbeschwingt wippend treibt ein E-Piano “Every thought a thought of you“ voran. Sänger Aaron Weiss hat alle Aussichtslosigkeit und Schwere aus seinem Organ verbannt. Und doch klingt sein nun verdient als “Gesang“ zu bezeichnender Stimmeinsatz vertraut, warm und ein weiteres Mal mehr wie die tröstende Hand auf der schlaffen Schulter. “The Angel of Death came to David’s room“ schunkelt sich in heiterem Crescendo und bekannter “If you’re happy and you know it clap your hands”-Manier hin zu einem ausgelassenen Finale aus Percussionrhythmus und Chorgesang. Der Fuß der Gitarristen findet nur noch selten den Weg zum Distortion-Pedal und auch das Schlagzeug setzt nur noch ab und an furiose Akzente. “It’s all crazy! it’s all false! it’s all a dream! it’s allright“ ist eine Vollblut-Frühlingsplatte und dürfte von denjenigen Fans, die sich auf weitere apathische Momente in der Zimmerecke gefreut haben, etwas an Eingewöhnungszeit erfordern. Ist dies geschafft, zaubern mewithoutYou nicht länger zerknitterte Mimiken auf Augen und Lippen, sondern formen die Mundwinkel vielmehr zu einem hoffnungsvollen Lächeln. Weiss (,,knowing well that those who know don’t talk and those who talk don’t know”) erzählt Fabelgeschichten von Füchsen, Krähen und Keksen, Geschichten der Selbstaufgabe, von der Neufindung dieser und naturverliebter Spiritualität und lässt Harfen, Akkordeons, Querflöten und Pianos verzückt das Leben besingen. Und auch wenn sich hinter jedem “You“ noch immer meist Gott verstecken dürfte, so ermöglicht es der Charme in Weiss’ Texten doch jedem Hörer dieses für die Popmusik so wertvolle Wort mit seinem ganz eigenen Bild zu füllen.

Das vierte Erzeugnis mewithoutYous kann zwar  sowohl instrumental als auch textlich seine großen Vorgänger in ihrer Tiefe nicht ganz fassen, beweist aber vor allem durch Stücke wie “Bullet to binary (pt. 2)“, “The king Beetle on a Coconut Estate“ oder “Cattail Down“ mit ihren Haken und Wendungen erneut, dass diese Band noch lange nicht am Ende ihrer Kreativität angelangt ist.

7.0 / 10

Spieldauer: 44:49

Label: Tooth & Nail records

Referenzen: Portugal. the man, Danielson, The Decemberists, Bodies of Water, kleine niedliche Mädchen in geblümten Sommerkleidern

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 07.04.09

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