anni-rossiEine von den Guten

Die Parallelen liegen auf der Hand. Zum einen das im gewöhnlichen Poprockkontext etwas exotisch anmutende Leadinstrument („it’s a viola, not a violin.“, klärt uns ihre MySpace-Seite auf) und zum anderen dieser exzentrische, gerne mal ins Himmelhochjauchzen abdriftende Gesangstil dürften dafür sorgen, dass Anni Rossi sich in Zukunft öfter mal zu einer gewissen Joanna Newsom wird äußern müssen. Damit sollte sie leben können, sind dies doch jene musikalischen Merkmale, die ihr Debütalbum auf angenehme Art spröde erscheinen lassen und so hoffentlich vollständig von jedwedem Verdacht befreien werden, „wenig mehr als die Soundtapete für den eingebildeten Bildungshörer“ zu bieten (Jens Balzer in SPEX 03/09 über Alela Diane und Marissa Nadler – Merke: Hat Frau mal keinen an der Waffel, taugt ihre Musik höchstens für die nächstbeste Starbucks-Playlist).

In der Tat lebt „Rockwell“ von Anni Rossis ungewöhnlichem Songwriting, schräger Rhythmik und der typisch direkten Albini-Produktion, die einem Nina Nastasias 2007er Meilenstein „You Follow Me“ in den Sinn kommen lassen. Und dass sie zu Ähnlichem fähig ist, wie diese Ausnahmekünstlerin oder eben Frau Newsom, beweist die ab dem zarten Alter von drei Jahren klassisch an Viola und Klavier ausgebildete Rossi an einigen Stellen eindringlich. Der  bereits auf ihrer letztjährigen EP  vertretene Song „Wheelpusher“ gehört zu den berührendsten Stücken Musik der letzten Zeit und das Album hat durchaus mehr von diesem Kaliber zu bieten. „Machine“ macht die vielseitigen Möglichkeiten einer Viola gleich zu Beginn deutlich und bewegt sich gesanglich am weitesten in eigentümlich Newsomschen Gefilden, während „Living In Danger“ eine sehr eigene, sehr gelungene Interpretation des einstigen Ace Of Base-Hits darstellt. Warum „Rockwell“ dann trotzdem kein zweites „Ys“ oder eben „You Follow Me““geworden ist, liegt wohl neben der fehlenden namhaften Unterstützung durch Leute wie Van Dyke Parks oder Jim White vor allem daran, dass Anni Rossis Ideen, Tempowechsel und Instrumentmalträtierungen auf diesem Album noch nicht immer so ganz aufgehen wollen und wie in „Deer Hunting Camp 17“ oder „Glaciers“ auch öfter mal ins Leere laufen. Nichtsdestotrotz ist der 23 jährigen hier ein beeindruckendes Debütalbum gelungen, dass bei günstigem Licht betrachet ohne echte Ausfälle auskommt und sie damit auf Anhieb zumindest in unmittelbare Reichweite zu den besten der in den letzten Jahren ja nun doch recht inflationär anzutreffenden Female Folk-Acts katapultiert. Sollte man also unbedingt im Auge behalten, diese Frau Rossi.

7.3 / 10

Label:4AD / Beggars

Referenzen: Joanna Newsom, Nina Nastasia, Cat Power, Smog, John Cale

Links: 4AD, MySpace

VÖ: 27.03.2009

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