black-lips_200-millionIhr letztes, 2007 erschienenes Album „Good Bad Not Evil“ erregte bei einem beträchtlichen Teil der Fans erster Stunden leichte bis mittelschwere Besorgnis, wirkte es doch in direktem Vergleich zu ihren ersten drei Werken zu aufpoliert, zu glatt produziert und büßte somit trotz einer nicht abzustreitenden Vielzahl von Hits deutlich an Lo-Fi-Charme ein. Das böse Wort der „Kommerzialisierung“ stand auf einmal im Raum, nicht wenige befürchteten, die Jungs würden sich jetzt den Siff von den Klamotten reiben und mit glänzend weißem Zahnpasta-Lächeln in die Kamera strahlen. Tatsächlich konnte die Band aus Atlanta, Georgia eine Vielzahl an Fans hinzugewinnen, den catchigen Nummern wie „Katrina“ oder „Cold Hands“ – und das mussten später auch die eingefleischten Anhänger zugestehen – war einfach schwer zu widerstehen. Aber die Konzerte konnten schlussendlich beruhigen, von eintretender altersbedingter Vernunft oder nachlassendem Chaos keine Spur, es wurde fleißig weiter uriniert.

Knapp zwei Jahre später steht mit „200 Million Thousand“ nun die nächste Platte auf dem Programm. Die Frage nach dem „What comes next?“ wird binnen Sekunden geklärt. Ein von Bongos angetrieben lässig hingerotztes „Take My Heart“ eröffnet den scheinbar in irgendwelchen Bahnhofsunterführungen aufgenommenen Longplayer, auch das darauf folgende „Drugs“ lässt alle Lo-Fi Herzen höher schlagen. Schnell kristallisiert sich heraus: Der authentische 60s-Garage-Flow zieht sich vergnügt durch das ganze Album; das dichte Gefüge und Zusammenwirken aller 14 Songs erinnert an ihr Meisterwerk „Let It Bloom“, es darf also aufgeatmet werden. Strategisch ausgefuchst richten sie sich mit „Let It Grow“, „Elijah“ oder „Body Combat“ dabei fast schon entschuldigend an die frühen Fans, werfen aber auch den Liebhabern von „Good Bad Not Evil“ mit dem singletauglichen Vorab-Song „Starting Over“ oder dem heimlichen Hit der Platte, „Again And Again“, hin und wieder einen magenfreundlichen Leckerbissen vor die Füße, ohne sich dabei allerdings zu sehr anzubiedern. Selbst die eigentliche Singleauskopplung „Short Fuse“ lässt sich einige Durchgänge Zeit, bis es einen dann schlussendlich doch in den Bann zieht. Jaja, die Angst, zu offensichtlich die Gunst der Hörer gewinnen zu wollen, hat ihre Spuren hinterlassen. So besinnen sich die Black Lips lieber auf alte Tugenden, suhlen sich mit aller Hingabe gewohnt abgeklärt im Dreck und ziehen mit „200 Million Thousand“ einen wahrlich dicken Brocken aus der Gosse.

8.0 / 10

Label: PIAS (Rough Trade)

Spieldauer: 51:47

Referenzen: The Strange Boys, Jay Reatard, MC5, The Stooges, Cheap Time, The Dirtbombs

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 13.03.2009

8 Kommentare zu “Review: Black Lips – 200 Million Thousand”

  1. hondo sagt:

    Sehr schön. Tolles Album. Angenehm unaufgeregte Rezension ohne übertriebenen Hype.

    Noch in diesem Jahr soll übrigens die lp the last of the white niggers mit unveröffentlichem Material aus der inthered Phase erscheinen.

    Hat zumindest Larry hardy von inthered angegkündigt ->

    http://terminal-boredom.com/forums/index.php?topic=16476.15

  2. Mike sagt:

    Love the album, best thing i’ve heard in 09 by a long shot…their also producing some mental (but amazing) music videos to boot….
    take a look-
    http://www.youtube.com/watch?v=wkwQCxO27iQ&feature=channel_page

  3. Sven sagt:

    Gestern bei ‚Tracks‘ nen schönen Bericht gesehen – scheinen harte, kantige, sympathische Kerle zu sein. Die Musik gibt ihnen ja ohnehin Recht.

    Nochmal in Textform für alle Interessierten(nach dem Video müsste man wohl nur ein wenig schauen auf der Seite):
    http://www.arte.tv/de/Kultur-entdecken/2536958.html

  4. hannah sagt:

    haha super wicked music video, loving the washed out colours :)

    they have a flickr profile as well ya know, some lucky person got up close and personal and took some cool polaroids of them whilst on tour :)
    http://www.flickr.com/photos/30749847@N03/

  5. kris sagt:

    Us brits are waiting for the lads to land on the shores in may, everyones buzzing! the guys are still touring the u.s and it sounds as tho its going great, hope u get some gnarly performances over here :)

  6. Tom Scott sagt:

    Yeh electric ballroom next month :)
    loving the new music video, cool colours n what not!
    http://www.youtube.com/watch?v=dOCozpgMAgw

  7. Jake Selway sagt:

    some well informed fans on here, but i noticed nobody has posted anything about the track the guys did with gza from wu tang, actually the best thing!!
    http://www.viceland.com/vicerecords/download/black_lips-drop_i_hold_feat_gza.mp3

  8. hondo sagt:

    Bei ebay gibt es übrigens noch die black lips born to be a man / hippys
    single (neben Let it bloom in meinen Augen ihre beste Veröffentlichung)

    http://www.youtube.com/watch?v=00veNcyBMZ8

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