ollischulzVielen hat man es zugetraut, aber ihm eigentlich nicht: In Zeiten, in denen Polarkreis 18 ihre Einsamkeit im Werbeblock kundgeben und Madsen den Verzehr des Double Whoppers untermalen dürfen, ist es am Ende ausgerechnet Olli Schulz, der die alte Debatte entfacht, wo der Indie auf Grund läuft – und ob Künstler aufhören gut zu sein, wenn sie nicht rechtzeitig den Anker geworfen haben. Eine Antwort darauf kann auch die Platte „Es brennt so schön“ nicht liefern, weil das letztlich Dialektik ist. Wohl aber liefert sie einen Denkanstoß in die Richtung, ob das vielleicht auch etwas mit der Attitüde des Künstlers selbst zu tun hat – sprich: ob der Antrieb zur musikalischen Evolution ein kreativer oder ein kommerzieller ist.

Natürlich entpuppt sich vieles an dieser Diskussion bei genauerem Hinsehen als allzu übertriebenes Trauern verzweifelter Fans um die guten alten Zeiten. Hier muss man auch zugestehen, dass bis jetzt keine Band lange durchgehalten hat, die von ihrem ersten Album lediglich zwei Varianten produziert oder – schlimmer – sich zu lange an musikalischer Vergangenheitsbewältigung versucht hat. Die Berufung auf Kettcar sei an dieser Stelle gestattet (schließlich hat das Grand Hotel das kleine Häschen Olli ja praktisch aufgezogen) , deren aktueller Sound sich zuverlässig aus seiner makellosen Konsequenz legitimiert – ohne dass Marcus Wiebusch erst erklären müsste, was das soll.

Olli Schulz dagegen manövriert sich inzwischen häufiger in Erklärungsnöte, zuletzt wegen des Bundesvision Songcontests, den man nun mal nicht erst verschmähen und dann einfach mit „Ja, aber“ rehabilitieren kann, ohne dass Fans einem das übelnehmen. „Mach den Bibo“ (mit diesem Song ist er aufgetreten) gehört zu dem Stärksten, was das Album zu bieten hat, teilt aber sein Schicksal unter anderem mit „Geheimdienst“ und „Bloß Freunde“: Jeder dieser Titel funktioniert allein über Rückgriffe, stiehlt damit aber dem ansonsten recht farblosen Gesamtpaket die Schau. Und das kann leider nur hingenommen werden, wenn man in Betracht zieht, dass Olli Schulz und Olli Schulz & Der Hund Marie womöglich doch nicht so austauschbar sind wie immer angenommen.

So gesehen hätte ein bisschen mehr Konsequenz dem Album vermutlich genau so wenig geschadet wie ein paar mehr aus den Vorgängern entliehene Orientierungspunkte. So aber bleibt „Es brennt so schön“ in letzter Instanz Patchwork. Es drängt sich der Verdacht auf, hinter Olli Schulz’ vermeintlich überheblichem Betragen könnte am Ende doch mehr stecken als bloßes Kokettieren. Vor diesem Hintergrund ist der Hidden Track „Fliegen“ fast schon prophetisch zu sehen, und wenn das zu hoch gegriffen ist, dann auf jeden Fall reflektiert und damit nichts weiter als: Hoffnung – wenn Olli Schulz damit tatsächlich auch sich selbst im Blick gehabt haben sollte.

5.0 / 10

Label: Sony

Referenzen:  Gisbert zu Knyphausen, Fink, Bernd Begemann, Kettcar, Home Of The Lame

Links: MySpace, Homepage

VÖ: 13.03.2009

2 Kommentare zu “Review: Olli Schulz – Es brennt so schön (2009)”

  1. Hannes sagt:

    Olli Schulz hat von Musik so viel Ahnung wie eine Kuh vom Weltall!

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum