aliftreePropagandhi oder Digitalism zum Katerfrühstück am Sonntagmorgen? Da ist der Hörsturz vorprogrammiert. Besser: Gutmütige, leichte, frische und unaufdringliche Musik, die auf dem Grad zur seichten Unterhaltung gerade noch die richtige Seite erwischt. Alif Tree aus Frankreich schafft da mit seinem neuen Album „Clockwork“ Abhilfe. Wohlklang für die Ohren, der jegliche Anflüge von Langeweile und Redundanz mit freundlicher Bestimmtheit abwehrt.

Schon einige Jahre ist dieser Mann unterwegs und hat seit zwei Alben eine Heimat beim Münchner Jazz/Elektro-Label Compost gefunden, ein Label, das mit seiner Ausrichtung auf Wiedererkennbarkeit und Qualität setzt. Harmonisch und fordernd trifft hier Downbeat auf fahnenflüchtige Jazz-Anklänge, Elektro auf Blues – und all dieser stilvollen, zur Einheit gerundeten Melange ist besonders das Songwriting wichtig. Erst danach machen sich die Bläser, die Pianos und Kontrabässe bemerkbar, die ein erstaunliches Instrumentarium bilden und schnell klar machen, dass das hier nicht der verspätete Aufguss der konfektionierten Massenware NuJazz ist, sondern auch heutzutage noch wunderbar funktioniert.

„Que Tu“ reibt sich auf. Ist zerbröselter Jazz mit Hang zum Experiment, „Never Be The Same“ fast purer Pop mit einer Prise Classic-Rock-Gitarre (fällt gar nicht auf), das nostalgisch flanierende „Reality“ ist die Trutzburg, ein kleiner Zufluchtsort vom alltäglichen Leben. Kaum ein Song gleicht dem anderen, was nicht nur den vielen unterschiedlichen Sängern und Sängerinnen geschuldet ist. Alles ist im Fluss, ist Reisetagebuch oder nur eine ausformulierte Skizze.

Nina Simone, Bugge Wesseltoft, Phoneheads, Lemon Jelly oder Koop spannen den Referenzrahmen für ein Album, was nicht wirklich neuartig klingt, aber eine für dieses Genre erstaunliche Ideenfülle offeriert. Hiermit schmiert sich das Croissant fast von selbst.

6.7 / 10

Label: Compost

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 06.02.2009

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