loney-dearEin frischer Wind weht durch das Haus von Emil Svanängen alias Loney Dear, der jetzt sogar ohne Komma auftritt. Die neue Sachlichkeit? Ganz im Gegenteil. Die alte Reduziertheit hat ein paar alte – neue – nun wieder modische Accessoires geerbt und macht „Dear John“ zu einem durchaus mutigen Experiment mit erweiterten Dimensionen. Auf dem Vorgänger „Loney, Noir“ war es oft Svanängen selbst, der an den Songs zerbrach, dem der Pop leicht von der Gitarre und so schwer vom Herzen ging. Dem Hörer ging es gemischt, heißkalt, und am Ende wollte man oft einfach noch mal, aber lauter. Raus aus dem stillen Kämmerlein, in kompletter Besetzung, erwuchsen aus dem Minimalismus auf der Bühne im Austausch mit dem Publikum oft magische Momente und große Hymnen.

„Dear John“ hängt noch immer an den alten Kleidern, den wenig opulenten. Das Leinengewand, das für die eine Hälfte nicht den Stoff wert ist, aus dem es gemacht ist, das für die andere Hälfte aber in vielen Momenten so gut passt und sitzt, dass sie es gar nicht ablegen mögen. Und doch hat Loney Dear den ein oder anderen Rand ausgefranzt, mit neuer Spitze versehen, hier und da Funkelndes aufgesteckt. „Airport Surroundings“ zeigt diese neue Seite, die einerseits nach durchdachterer Produktion, andererseits nach mehr Dramatik klingt. Die Chöre wickeln nach wie vor innerhalb weniger Runden um den kleinen Finger, werden mit weiblicher Unterstützung aus dem Hintergrund mit jedem Takt ein Stückchen weiter nach vorn gerückt. Obwohl diese seit jeher ihren festen Platz bei Svanängen haben ist etwas anders. Der Heiligenschein, den selbst der überzeugte Atheist dem Schweden noch abgenommen hatte, ist beinahe verschwunden. Oder verrückt worden. Eine neue Ernsthaftigkeit ist da zu spüren, als wollte man die gleichen alten Dämonen nun mit neuen Waffen bekämpfen. Oder zumindest den Ernst der Lage verdeutlichen.

Auch im folgenden „Everything Turns To You“ wirken die Chöre als emotionaler Schlag ins Kontor, und obendrein ist das hier noch ein richtiger Hit. Kein „I Am John“ zwar, aber für dieses Album in ähnlicher Funktion. Und stellvertretend. Schwerfällig löst sich „Dear John“, wird von dort an aber mit jedem Flügelschlag leichter. Die tiefen Synthiebässe wirken so nur kurz als unnötiger Ballast, stellen sich letztendlich aber als die nötige Balance heraus. „Under A Silent Sea“ zehrt von großer Geste und synthetischer Dramatik, klappert diverse 80’s-Klischees ab, bindet eine schlichte Akkustikgitarre ein, gerät dabei aber nicht ins Wanken und mausert sich schließlich zum vielleicht besten Song der Platte. Ähnlich verhält es sich mit „Distant Lights“, von orchestraler Schwere, über eine großartige Melodie zum Pop und zurück. Kurzer Leerlauf zwischendurch sei ihm verziehn’, die Kurve hat er bekommen.

7.3 / 10

Label: Sub Pop

Spieldauer: 41:47

Referenzen: Patrick Watson, Sufjan Stevens, Belle & Sebastian, José Gonzales, Suburban Kids With Biblical Names, Peter, Bjorn & John, Jens Lekman

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 03.02.2009

Ein Kommentar zu “Review: Loney Dear – Dear John (2009)”

  1. Bastian sagt:

    super review, gut das du sie übernommen hast. erinnert mich immer und stärker als zuvor an grandaddy, die platte.

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