Alaska In WinterHoliday

Die Balkanbeats der ersten LP hat Brandon Bethancourt weit hinter sich gelassen und widmet sich auf seinem neuen Werk „Holiday“ durchweg elektronischen Klängen. Alaska In Winter stellt sich als völlig überflüssiges Synonym heraus, denn auch so ist das Album wie geschaffen für diese Jahreszeit.

Dass ein Aufenthalt in Berlin Musiker in ihrer Weltanschauung und Entwicklung beeinflusst, ist nichts Neues, das reicht von Ikonen wie David Bowie bis zu neueren Kritikerlieblingen wie den Liars. Nun hat es also auch Brandon Bethancourt erwischt, der erst gar keine halben Sachen gemacht und seinen Wohnsitz auf Dauer dorthin verlegt hat. Nur mit der nötigsten Ausrüstung, um noch einmal ganz von vorne anfangen zu können. Zahlreiche Technoparties und das niemals endende Nachtleben hätten ihn bei seinem Richtungswechsel beeinflusst, gibt er zu Protokoll. Doch eigentlich kann dies nur die halbe Wahrheit sein, von Partykultur und Großstadteuphorie ist „Holiday“ – abgesehen von einigen Songnamen – meilenweit entfernt. Vielmehr entpuppt es sich nach dem optimistischen Opener „We Are Blind and Riding the Merry-Go-Round“ als ein in sich zurückgezogenes und nachdenkliches Werk, dessen Wirkung alleine schon durch eine eiskalte, von  minimalistischen Beats dominierte Fassade zementiert und im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert ist. Diese Fassade, so detailversessen und liebevoll sie auch aufgebaut ist, könnte man als alleiniges und Hauptproblem des Albums bezeichnen. Es kostet Überwindung und Ausdauer, sich durch diesen Eisblock hindurch in letzter Konsequenz auf „Holiday“ einzulassen. Brandon Bethancourt scheint mit voller Absicht einen solchen Schutzwall errichtet zu haben, den nur derjenige überwinden kann, der sich ihm auf seiner Reise ins Innere anschließen will.

Und so ist es auch kein Wunder, dass „Holiday“ eher als persönliches Gesamtwerk denn als urbanes Allroundalbum gesehen werden muss. Es kann aber dennoch mit einigen herausragenden hymnischen Songs aufwarten. „Berlin“ oder „Streetgang“ zum Beispiel gelingt das seltene Kunststück, gleichzeitig Mitgefühl und Aufbruchsstimmung zu erzeugen, was heutzutage wahrlich als Seltenheit angesehen werden kann. Und auch sonst überzeugt das Album durch seine innere Kompaktheit und musikalische Zielstrebigkeit. „Holiday“ ist in ein Album wie aus einem Guss, für alle Zeiten ins ewige Eis gemeißelt.

7.0 / 10

Label: Regular Beat

Spieldauer: 45:41

Referenzen: Dntel, Final Fantasy, Air France, M83, The Books, Cloud Cult, Styrofoam, Apparat, Beirut

Links: Myspace; Regular Beat

VÖ: 26.01.2009 (UK) / 22.11.2008 (USA)

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