No Age – Live in Heidelberg

Heidelberg. Zum Teufel. Es ist Mai. Weit über 30 Grad im Schatten. Eine fast nicht auszuhaltende Luftfeuchtigkeit. Bis weit nach zwölf lassen sich No Age Zeit, um dann vor gerade mal knapp 50 Zuschauern und einem hoffnungslos überforderten Arte-Reporter das reinste Feuerwerk abzubrennen. Die geschätzten 60 Minuten, die die Band vor oder in der „Menge“ spielt, sollte das persönlich intensivste Erlebnis im Jahre 2008 darstellen. Am Ende lagen sich Band und Publikum in den Armen, der Schweiß tropfte von der Decke, das Bier war längst wieder leer. Wohin der Blick auch ging, aus jedem einzelnen Gesicht strahlte die pure Freude. Ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie sehr Musik „zusammenschweißen“ kann!

Chad vanGaalen – Willow Tree

Vorsichtig zupft er vor sich hin, die dicke Jacke schützt ihn vor der Kälte, die Kappe verdeckt den Haaransatz. Dann erhebt Chad vanGaalen seine Stimme. Es zuckt durch Mark und Bein, für einen Moment steht man einfach nur völlig angewurzelt da, vollends eingenommen von diesem Mann und seiner Gabe, Gefühle auf so ehrliche, eindringliche und mitreißende Art und Weise preiszugeben. Und passenderweise gibt es dann bei ca. 1:07min wieder den Krankenwagen zu hören, der auch schon bei dem nicht minder sehenswerten Waschsalon-Video zu „Molten Light“ seinen Auftritt hatte. Irgendwas sagt mir, dass das alles kein Zufall ist…


Neutral Milk Hotel – Engine:

Auf einmal war er da. Inmitten der Menge. Jeff Mangum, viele, viele Jahr nach seinem letzten Bühnen-Auftritt. In aller Seelenruhe spielt er einen der wundervollsten Songs aller Zeiten. Engine. Spielt ihn wie früher. Als hätte sich nichts geändert. Er ist kaum zu erkennen, die Umgebung auch nicht. Wer das Video jedoch an den Stellen anhält, in denen der Blitz der Kamera gegen die Dunkelheit ankommt, der sieht einen leicht veränderten Mangum. Die Mütze schützt ihn ein wenig vor den gierigen Blicken der Zuschauer. Er spielt nur kurz, wird jetzt auch abermals auf ewig abtauchen. Aber er hat wieder was hinterlassen, was manch einen weitere zehn Jahre träumen lassen wird…

The Notwist – Where In This World:

Schöner hätte das Szenario visuell wirklich nicht dargestellt werden können: „There’s no escape from this circling place“ erklingt es immer wieder ernüchternd aus den Lautsprechern, während dieses wirklich ungemein sympathische Duo verzweifelt versucht, endlich abzuheben. Dazu diese kalte, halbkahle Landschaft, die sich als wunderbarer Kontrastpunkt zu der warmen Soundcollage völlig unschuldig und unaufdringlich im Kopf festsetzt. Trotz aller Tristesse, die dieser Ort ausstrahlt, irgendwie wäre man jetzt gern dort. Zumindest für eine Portion Dosenfutter. Und spätestens wenn die Zwei dank ihrer Unnachgiebigkeit schlussendlich doch den Weg in die Freiheit finden, macht die Zukunft plötzlich wieder Sinn, so grausam die Gegenwart manchmal auch sein mag…

Ein Kommentar zu “2008: Sequenzen, die haften geblieben sind…”

  1. Knut sagt:

    vieleicht kommt der Krankenwagen aus der Konserve, oder es steckt eine Verschwörung dahinter

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