Zurück am Parkplatz stellten wir erstaunt fest, dass sich nicht mal die kleinste Schlange vor dem Eingang gebildet hatte. Nachdem wir einen kurzen Blick in den leeren Raum und den etwas besser besuchten, sehr schön aufgemachten Biergarten warfen, ging es zurück zum Auto. Einige Dosen waren ja noch da, der Rest des England-Trips sozusagen. Als Abstellplatz eignete sich das Innenfach der Autotür sehr gut, die 0,5er Foster´s fühlten sich da sichtlich wohl. Ein leises Glucksen bereitete Martin dann aber doch erste Sorgen um seinen Wagen. „Da läuft gerade kein Bier in meine Innentür, oder?“ fragte er mich und bevor ich antworten konnte, ist mir mein Fehlverhalten aufgefallen. Für 0,33er Heineken war der Abstellplatz einfach nicht vorgesehen. „Was soll´s? Wolltest den Wagen doch eh wieder von innen reinigen oder?“ Um Martin richtig auf die Palme zu bringen, bedarf es da schon mehr. Nur kurze Zeit später war es dann allerdings fast so weit, zumindest dem Brummen nach zu urteilen, als mir seine Digitalkamera unter den Sitz gefallen ist und dort ungünstig auf die Federung des Sitzes prallte. Ein klares Zeichen, es war Zeit für den „Teufel“.

Drinnen alles beim Alten: Die wenigen Besucher zog es in den Biergarten, von der Band oder einer aufkommenden Konzertstimmung keine Spur. Dabei war es schon zehn. So nutzten wir die Zeit und spielten einige Kickermatches aus, zu denen sich später auch noch eine Handvoll junger Männer gesellte, die sicher nicht nur auf Alkohol standen. Diese sollten dann auch 90 Minuten später in der ersten Reihe völlig abgehen, als um knapp halb zwölf endlich die Vorband Ken & The Black Metal Demo Tapes ihre Songs zum Besten gaben. Man kann sicherlich drüber streiten, ob dies nun der optimale Opener für No Age ist, erheiternd war es allemal. Wie dazu allerdings drei, vier Leute in der ersten Reihe derart abgehen können, ist mir auch heute noch schleierhaft.

Es muss nach zwölf gewesen sein, als Randy Randall und Dean Spunt dann endlich die Bühne betraten. Was dann passierte, wird für uns so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Stand das Publikum, also die ca. 40, vielleicht auch 50 Leute, bei den ersten zwei, drei Songs noch still, sollte es sich dann recht schnell zum absoluten Hexenkessel entwickeln. Da die Band überhaupt keine Berührungsängste hatte, spielte Randy einfach zeitweise inmitten des Publikums und versetzte alles um ihn herum in völlige Ekstase. Spätestens jetzt musste sich der Kameramann von Arte geschlagen geben, die geplante Aufzeichnung für „Tracks“ gestaltete sich wohl weitaus schwieriger als angedacht.

An dieser Stelle wird einem wieder klar, wie wichtig es ist, diese Band einmal live zu erleben, um ein Urteil fällen zu können. Songs wie „Eraser“, „Sleeperhold“ oder „Miner“ vom neuen Album „Nouns“  und insbesondere „Everybody´s Down“ mögen auch auf Platte funktionieren, entfalten ihre volle Wirkung aber erst live, im direkten Kontakt mit den Fans. Diese Authentizität ist es, die die Band von zahlreichen Genre-Kollegen abhebt. Bezeichnend auch, dass am Ende des Konzertes einfach die Fans auf die Bühne springen und Randy in den Arm nehmen, wohl wissend, Zeuge eines intensiven und einzigartigen Konzerts gewesen zu sein, bei der die Band auf Augenhöhe mit dem Publikum kommuniziert, dabei nie den dicken Macker raushängen lässt.

Es muss Stunden später gewesen sein, als ich die Band nochmal um ein Autogramm bitten wollte und auf der Suche nach Randy und Dean die Kellertreppe runterstolperte, um mitten in ein Interview zu platzen. Die normale Reaktion wäre sicherlich eine verärgerte, unmissverständliche Bitte, sofort den Raum zu verlassen. Es kam aber anders: Randy drehte sich um, schaute mich strahlend an und fragte einfach nur ganz lieb: „Do you want a bottle of beer?“ Blöde Frage eigentlich, natürlich wollte ich. So verweilte ich noch eine ganze Zeitlang da unten in dem Keller, bis ich irgendwann nachts den Weg zurück zum Auto fand, wo Martin schon friedlich schlummerte, er wollte nämlich am nächsten Morgen um sechs Uhr aufbrechen und gönnte sich so seinen wohlverdienten Schlaf. In dem Moment fiel mir auch wieder ein, wie häufig ich nachmittags gepredigt hatte, den Wagen nachts abzuschließen, nur um am nächsten Morgen zwar mit verschlossener Tür aber komplett offenem Fenster wach zu werden. Naja, es kann halt nicht alles klappen. Als wir dann in Richtung Heimat aufbrachen und Martin nochmal kurz den Wagen stoppte, um ein letztes Mal in des Teufels Fratze zu blicken, gab mir ein etwas verschlafen aussehender Mann am Straßenrand noch die Frage mit auf den Weg, ob wir nachts auch diesen Lärm gehört hätten. Unerträglich sei es gewesen, schimpfte der Herr in Unterhemd. Kopfschüttelnd zogen wir von dannen.

4 Kommentare zu “Auf Touren: Die Tour nach Heidelberg (27.05.2008) – Teil 2”

  1. florian sagt:

    guck mal da, die groupies ;)

  2. Pascal sagt:

    @Florian:

    Er wollte undebingt mit aufs Bild, da war nix zu machen;) Schau mal bei ihrem Blog vorbei, die Idee ist nicht neu.

    Kompliment übrigens an das Mädel, das das Foto gemacht hat. Die konnte besser mit Martins Kamera umgehen als Martin selbst, zumindest zu der Uhrzeit.

  3. Martin sagt:

    Mooooment, ich hab die Kamera wenigstens nicht fallen lassen… ;-)
    Die Alte hatte aber auch gut einen sitzen – umso bemerkenswerter, dass sie das ohne Verwackeln hinbekommen hat ;-)

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