Plattenkritiken


Review: Gang Gang Dance – Saint Dymphna

Brooklyn’er Schule

Neues aus dem Big Apple: Nach den großartigen Veröffentlichungen von TV On The Radio, High Places und Co. folgt eine weitere Perle der New Yorker Avantgarde. Nach jeweils einer EP und DVD im letzten Jahr wartet das Quartett nun mit seinem mittlerweile vierten Studio-Album auf. Warp Records beweisen mit diesem Release mal wieder den ungetrübten Blick für interessante und fortschrittliche Künstler, in die verstaubte IDM/Electronica Schublade will das britische Label schon lange nicht mehr passen. Doch trotz erwartungsgemäß hohem Niveau schaffen Gang Gang Dance nur mit Mühe den Anschluss an die Genre-Kollegen.

Würde sich der Opener in seiner geloopten Transzendenz noch hervorragend als Vertonung eines Jodorowsky Streifens eignen, wird direkt im Anschluss auf der längst verebbten “Neuen Welle” gesurft, wenn auch nicht gänzlich unreflektiert, wie so manch andere Band dieser Tage. Drei Tracks weiter kann man dann aber wirklich nur noch den Kopf schütteln. Auf “Princes” erlauben sich die New Yorker einen geschmacklichen Ausrutscher der gröberen Art: Über einen gar nicht mal schlechten Uptempo-Tune lässt sich der Londoner MC Tinchy Stryder aus. So wirkt das Album bereits nach der Hälfte derart überladen, dass einen der Drang überkommt, erst einmal auszuschalten und das Gehörte zu verarbeiten. In Sechs Stücken vom magischen Surrealismus zum Grime, ohne die 80ies Revival Station auszulasssen? Es gehört schon mehr dazu als in kürzester Zeit möglichst viele, am besten noch besonders hippe, Genrebezüge herzustellen, um als Vorreiter zu gelten. Trotz fehlender Homogenität betreiben Gang Gang Dance ihr Handwerk jedoch nach wie vor auf sehr hohem Level.

Wem das als Wehrmutstropfen nicht genügt, sollte dem Werk zumindest als Überbrückung zur neuen Animal Collective eine Chance geben, auch wenn das dem Anspruch der Platte nicht gerecht werden würde. Da die Jungs mit ihren vorhergegehenden Werken ihren Status bereits gesichert haben, verzeiht man die ein oder andere Schwachstelle gerne.

7.0 / 10

Spielzeit: 44.06 min

Label: Warp/Social Registry

Referenzen: High Places, Yeasayer, Animal Collective, Dirty Projectors, Liars, Black Dice, Xiu Xiu

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 24.10.2008


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