Effekthascherei

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem die Secret Machines mit “Ten Silver Drops“ viele Anhänger des New-Prog begeistern konnten, doch einigen Kritikern noch immer zu verspielt und unfokussiert erschienen. Als dann im März dieses Jahres Phil Karntas schließlich Benjamin Curtis, Bruder von Sänger und Bassist Brandon Curtis, an der Gitarre ersetzte, waren die Secret Machines kein Familienprojekt mehr. Mit neuer Besetzung spielte das Trio zügig ihr bisher drittes, selbstbetiteltes Album ein. Geändert hat sich, zur Freude von Fans der ersten beiden Alben, allerdings nicht viel.

Der Opener “Atomic Heels“ schubst den ahnungslosen Hörer direkt ins kalte Wasser und verabreicht diesem gleich zu Beginn eine konzentrierte Dosis von dem, was die Band für die meisten Fans so interessant macht. Ein Groovemonster, das klingt wie eine Botschaft: „Wir sind wieder da. Mehr davon? Gerne!“. Josh Garzas Bassdrum wummert noch immer so kräftig wie ein Faustschlag in die Magengrube. Eine Wucht, durch die sein rechter Oberschenkel mittlerweile einen überdimensionalen Umfang erreicht haben dürfte. Phil Karntas erweist sich als würdiger Nachfolger am 6-Saiter, der erneut alles, nur keine Gitarre sein will und verabreicht den meisten Songs den gewohnten Raketenantrieb für den angestrebten Ausflug ins All. Auch Brandon Curtis prägnant verzerrter Bass-Sound passt sich dem treibenden Groove des Schlagzeugs an. Jene Corporate Identity der Secret Machines bildet auch zum dritten Mal die Grundlage vieler der acht neuen Songs. Und mit “Now You’re Gone“ bieten sie sogar ihre eigene Interpretation einer Ballade dar.

Verlor sich die Band auf ihren beiden ersten Alben “Now Here Is Nowhere“ und “Ten Silver Drops“ zwar zu oft in dahin plätschernden Groovepassagen, konnten die Texaner allerdings ebenfalls mit mitreißenden melodiegetragenen Hymnen aufwarten. Bei ihrem Drittwerk bleibt das Pendel in der Mitte beider Extreme stehen. Sowie eingängige Songs wie “Lightning Blue Eyes“ und “Nowhere Again“ als auch hypnotische Bassläufe eines “Daddy’s in the Doldrums“ verschmelzen zu einem ausgewogeneren Sound des Trios. Aufgeputzt wurde die neue Stilsicherheit mit einer bombastreichen Produktion und dem vermehrten Einsatz von Effektgeräten. Positiv macht dieser Einschlag in “The Walls Are Starting To Crack“ auf sich aufmerksam, welches nach verhaltenem Beginn abschließend in farbenfrohen Soundcollagen explodiert und sich vor dem Krautrock der 70er Jahre verbeugt.

Der elfminütige Versuch einer progressiven Rockoper “The Fire Is Waiting“ erfordert als Abschluss eines erneut soliden Albums die volle Aufmerksamkeit des Hörers, wirkt dann allerdings zu effektbeladen, gewollt experimentell und anstrengend und bestärkt den Eindruck, dass die Band hier ihr bisher unzugänglichstes Album vorlegt. Der Beweis, dass die Drei ihre eigene Linie noch immer nicht ganz gefunden haben. Weniger Experimentierfreude und eine erhöhte Fokussierung auf die Songs an sich, hätte “Secret Machines“ an vielen Stellen gut getan. Doch darauf rumzureiten, würde heißen, den Secret Machines ihren individuellen Stil absprechen zu wollen.

7.3 / 10

Label: TSM, Cooperative

Referenzen: Pink Floyd, Amplifier, Can, The Flaming Lips, Hawkwind, Led Zeppelin

Links: Homepage, MySpace

Vö: 17.10.2008

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