Kapitulation

Nein, ich habe mir wirklich alle Mühe gegeben diese Band nicht zu mögen. So gerade der Pubertät entwachsene, halbstarke Möchtegern-Pete Dohertys, der NME schreibt Lobeshymnen über Gang Of Four im Panzer (aha) und das Label Tapete ist bei mir auch nicht unbedingt als Garant für aufregende Musik verschrien, eher für durchschnittlichen bis schlimmen Deutsch-Indie. Und überhaupt: Saudummer Name, die Musik kann ja eigentlich nur Scheiße sein. Dann Anfang des Jahres im Plattenladen, die EP, „Hamburg brennt“. Wieder ein blöder Titel, aber mal reinhören. Die Überraschung: Klingt gar nicht so schlecht, ganz schön geil sogar, mehr Les Savy Fav als Franz Ferdinand. Trockene Produktion, scharf angerissene Saiten, fast wie bei Steve Albini. Und auch die Texte mehr Fehlfarben als Tomte. Rotzig hingekläffte Parolen übers tägliche Fressen und Gefressenwerden, „Ich sehe diese Menschen, wie sie alle kämpfen, zwischen den Grenzen, um etwas zu bekommen.“ Und covern die hier tatsächlich Palais Schaumburg? Wie alt waren die nochmal, 17? Jedenfalls habe ich mir das Ding dann gekauft.

In den darauffolgenden Monaten tun 1000 Robota so ziemlich alles, den von mir gewonnenen Respekt wieder zu verspielen, pöbeln, wo es nur geht, gegen andere Bands und brillieren auf Konzerten und in Interviews durch schlechtes Benehmen und jugendliche Arroganz. Unerträgliches Rockstargehabe nach gerade mal einer Veröffentlichung. Das Album werde ich mir definitiv nicht zulegen. Was die EP angeht, naja blindes Huhn und so. Vor ein paar Wochen dann wieder im Plattenladen, „Du nicht er nicht sie nicht“ der Titel klingt immerhin besser als „Hamburg brennt“. Reingehört und: Unglaublich, das klingt ja noch viel besser als die EP, noch aggressiver, druckvoller, verdammt nah am Postpunksound der späten 70er und frühen 80er. Hat man so aus diesem Land und in dieser Sprache auch noch nicht gehört oder kennt vielleicht jemand die vollkommen unterschätzte, großartige Punkband Trend. „Oh, Oh! so sagen Tocotronic, was soll man noch für Lieder schreiben?“ Darauf musste man wirklich lange warten: 10 großmäulige, trotzige kleine Hymnen, nicht so verkopft und betont intellektuell wie der Diskurspop der frühen Hamburger Schule aber auch weit entfernt vom selbstreferenziellen, gefühligen Indiepop der folgenden Generationen. Es scheint wirklich berechtigt, angesichts dieser Band, dieses Albums, den alten Vergleich von der besten neuen deutschsprachigen Band seit …, na seit ziemlich lange halt, mal wieder hinterm Tresen hervorzukramen. „Schmeiß dein Ego weg und feier das was du liebst“ singen 1000 Robota in „Trocknet eure Tränen“. Ja, ich kapituliere.

7.3 / 10

8.0 / 10

Label: Tapete (Indigo)

Referenzen: Trend, Gang Of Four, Wire, Les Savy Fav, Fehlfarben, Tocotronic

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 01.02.2008 / 26.09.2008

Ein Kommentar zu “Review: 1000 Robota – Hamburg brennt / Du nicht er nicht sie nicht (beide 2008)”

  1. Philip sagt:

    ich glaube ich bleibe trotzdem bei meinem boykott der band. da muss die musik schon sehr sehr gut sein um soviel antipathie zu kompensieren :)

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