Der Weg zu den Sternen

In punkto elektronischer Tanzmusik wird in Bezug auf fehlende Komplexität gerne der Vorwand der Funktionalität genannt – oder das Ganze schlicht zur Kunstform des Minimalismus verklärt. Was hinter dieser Arbeitsweise steckt, scheinen viele jedoch nicht verstanden zu haben, denn auch die Reduzierung bedarf musikalischer Grundvoraussetzungen. Wer nun dem Gedankengang verfällt, ein Jimi Hendrix habe ja auch keine Noten lesen können, liegt auch nicht unwillkürlich falsch, denn es exisiteren sicherlich zahlreiche, erfolgreiche Künstler die mit Skalen und Pentatoniken reichlich wenig anfangen können.

Bei Peter Kersten a.k.a. Sten/Lawrence mag es das Talent oder das musikalisch-technische Know-How sein, sicher ist, dass auch der Blick über den so oft zitierten Tellerrand maßgeblich für den eigenen Sound ist. Nicht umsonst finden sich unter seinen Einflüssen Musiker wie Will Oldham, Brian Eno oder Songs Ohia. Dieser Aspekt ist allerdings keine Seltenheit beim Hamburger Qualitätslabel Dial, ähnliche Querverweise finden sich bei nahezu jedem Pferd im Stall der Hanseaten.

Unter seinem Pseudonym „Sten“ kreiert Kersten einen weitaus reduzierteren, club-tauglicheren Sound, der dennoch nie plump oder beliebig wirkt. Das mag zum einen daran liegen, dass die Melanchonie eines Lawrence hier nie weit ist, zum anderen an den durchdachten Arrangements und sorgfältig ausgewählten Sounds. Wem beim Opener, angesichts der üblichen verdächtigen ala Roland-808 und 08/15 Pad, das Gähnen überkommt, wird schnell eingestehen müssen, dass das Ganze doch ungeahnte Tiefen annimmt.

Als Highlight entpuppt sich ein Stück, dass wieder eher Lawrence als Sten zuzuordnen wäre: „Way To The Stars“. Modulierte Glockenklänge tröpfeln über schwebende Flächen und werden von einem simplen, aber schön gestalteten Groove zusammen gehalten. So weit so gut, doch alles auch irgendwie schonmal gehört.

Bei aller handwerklichen Finesse wird die Weiterentwicklung leider etwas aus den Augen verloren. Das ist schade, denn das Potential ist defintiv vorhanden, wird jedoch bei weitem nicht ausgereizt. Bleibt nur zu hoffen, dass uns Kersten die erwünschte Weiterentwicklung vielleicht mit dem nächsten Lawrence Release beschert. Trotz aller Kritikpunkte bleibt die Scheibe ein solides Stück norddeutscher Elektronikkultur, welche mit Sicherheit seine Hörerschaft finden wird.

6.7 / 10

Label: Dial

Spieldauer: 58:06

Referenzen: Efdemin, Superpitcher, Carsten Jost, Pantha Du Prince, Pigon, Lawrence

Links: MySpace, Dial

VÖ: 08.09.2008

Ein Kommentar zu “Review: Sten – The Essence”

  1. Bastian sagt:

    Die hatte ich auch noch auf der Liste, hat mich dann aber nicht so mitreißen können wie letztes Jahr Pantha und efdemin.

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